Archiv für April 2014

Entspannt zuhause statt tanzend im Schah-Palast

28.04.2014 – tfi – Anlässlich des nationalen Frauentags im Iran ist eine Debatte um die Rolle der Frau in der Islamischen Republik entbrannt. Dabei ernten die Vertreter der konservativen Positionen erstmals offenen Widerspruch auch von führenden Politikern – allen voran von Präsident Rouhani. Frauenrechtlerinnen fordern derweil konkrete Maßnahmen.

Anlässlich des nationalen Frauentags im Iran ist eine Debatte um die Rolle der Frau in der Islamischen Republik entbrannt. Dabei ernten die Vertreter der konservativen Positionen erstmals offenen Widerspruch auch von führenden Politikern – allen voran von Präsident Rouhani. Frauenrechtlerinnen fordern derweil konkrete Maßnahmen.

„Männer und Frauen sind gleichwertig“

„Wer gegen den gesellschaftlichen Fortschritt der Frau ist, sollte die Gründe dafür nicht in den Vorschriften des Islam suchen“, sagte der moderate Geistliche Rouhani, ohne sich dabei direkt auf die Rede Khameneis zu beziehen. Nach den Regeln des Islam seien Männer und Frauen gleichwertig, kein Geschlecht sei dem anderen überlegen. Jedoch gebe es noch viele Defizite bei der Umsetzung der Frauenrechte. Die weibliche Hälfte der Gesellschaft dürfe aber nicht an deren Rand gedrängt werden, so Rouhani.
Deutliche Worte fand auch Ex-Präsident Ali Akbar Hashemi Rafsanjani, der als Verbündeter Rouhanis gilt: „Es ist weder mit der Logik noch mit den gesellschaftlichen Realitäten vereinbar, von Frauen zu erwarten, dass diese sich ausschließlich zuhause um die Kinder kümmern sollen. Wenn wir das Familienmanagement den Frauen und alle anderen Aufgaben den Männern überlassen, schaden wir sowohl unseren Frauen als auch den Männern“, schreibt Rafsanjani auf seiner offiziellen Internetpräsenz.
Forderung nach konkreten Maßnahmen
Khameneis Rede am iranischen Frauentag — Foto: khamenei.irAuf einer von iranischen Frauenrechtsgruppen organisierten Veranstaltung anlässlich des iranischen Frauentages, der jährlich zu Ehren des Geburtstags von Fatima az-Zahra, der Tochter des Propheten Mohammad, begangen wird, forderten Frauenrechtsaktivistinnen Präsident Rouhani auf, seinen Worten Taten folgen zu lassen. „Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern darf keine Parole bleiben. 63 Prozent unserer Universitätsabsolventinnen finden nach dem Studium keinen Job, weil sie als Frau auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden. Das muss die Politik ändern“, so die Frauenaktivistin Zahra Akhavannassab.
Ähnlich äußerte sich die Universitätsdozentin Shamsolsadat Zahedi: Derzeit werde der Fortschritt der Frauen dadurch aufgehalten, dass die männlich dominierte iranische Gesellschaft diese nicht ernst genug nehme. „Die Fähigkeiten von Frauen werden leichtsinnig übersehen“, so Zahedi. Zu den Teilnehmerinnen der Veranstaltung gehörte neben einigen Ex-Parlamentarierinnen auch die Präsidentengattin Sahebeh Arabi-Rouhani, die die Reden der Frauenrechtlerinnen mit Applaus bedachte.

Kritik an Präsidentengattin

Doch diese offene Positionierung Arabi-Rouhanis ist vielen Konservativen offenbar ein Dorn im Auge: In den vergangenen Tagen ist die 60-Jährige ins Kreuzfeuer der Kritik sowohl einiger Parlamentarier als auch der konservativen Presse geraten. Anlass der Anfeindungen ist eine Frauentagsfeier, zu der die Präsidentengattin Botschafterfrauen in einen ehemaligen Palast des gestürzten Schahs geladen hatte. „Wenn die Präsidentengattin Partys feiern will, dann soll sie das bei sich zu Hause machen und in Zeiten der ökonomischen Not nicht so viel Geld für eine Feier im Schah-Palast verschwenden“, beschwerte sich der Abgeordnete Ruholloah Hosseinian. Arabi-Rouhanis Feier sei zu einer „durch und durch dekadenten Modeshow und Tanzveranstaltung“ ausgeartet, kritisierte auch die der Revolutionsgarde gehörende Nachrichtenagentur Fars News.
Die Regierung wies die Kritik an der Ehefrau des Präsidenten in einer offiziellen Stellungnahme zurück: Es könne weder von einer kostspieligen noch von einer dekadenten Feier die Rede sein. „Die einzigen, die auf der Feier getanzt haben, waren kleine Mädchen im Kindergartenalter“, heißt es in dem Regierungsstatement.
Nahid Fallahi / Jashar Erfanian

Blutgeld verhindert Hinrichtung von 358 Todeskandidaten

28.04.2014 – RP – AFP — Teheran. Im Iran sind nach Angaben der Justiz im vergangenen Jahr hunderte Todeskandidaten ihrer Hinrichtung durch die Zahlung von „Blutgeld“ entgangen. Im persischen Kalenderjahr, das von März 2013 bis März 2014 dauerte, seien 358 derartige Fälle gezählt worden, gab der iranische Generalstaatsanwalt Gholam Hossein Mohseni Edschei am Montag laut der Nachrichtenagentur Fars bekannt.

Das islamische Recht der Scharia erlaubt es den Angehörigen von Opfern, den Tätern im Gegenzug für die Zahlung einer finanziellen Kompensation zu vergeben.
Mitte April hatte der Fall eines jungen Mannes Schlagzeilen gemacht, dem die Mutter seines Opfers vergab, als er bereits die Schlinge um den Hals hatte.

In dem Fall war das Blutgeld bei einer Filmvorführung gesammelt worden, nachdem sich zahlreiche Prominente für den jungen Mann eingesetzt hatten, der 2007 einen anderen Mann im Streit erstochen hatte. Anschließend berichteten die Medien über mehrere ähnliche Fälle.

Im einen Fall wurde einem Todeskandidaten sogar erst vergeben, als er bereits mehrere Minuten am Galgen hing.

Am Sonntag sammelten bekannte Schauspieler und Künstler bei einer weiteren Filmvorführung Geld zur Rettung von drei Todeskandidaten. Die Höhe des zu zahlenden Blutgelds wird von der Justiz festgesetzt.

Im Iran wird die Todesstrafe wegen einer Reihe von Straftaten verhängt. Viele der Urteile ergehen wegen Drogendelikten, doch kritisieren Menschenrechtler seit langem, dass viele Todesurteile einen politischen Hintergrund haben. Allein seit Beginn des Jahres wurden im Iran nach UN-Angaben mehr als 170 Menschen hingerichtet.

 

Sebastian Kurz im Iran gegen Todesstrafe aktiv

27.04.2014 – Heute – Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) spricht bei seinem Besuch im Iran als Schwerpunkt auch das Thema Menschenrechte und dabei speziell die Todesstrafe ansprechen. „Das ist eine Art und Weise der Bestrafung, die wir aufgrund unseres Wertefundaments klar ablehnen“, betonte der Minister vor seinem Treffen mit seinem Amtskollegen Mohammad Javad Zarif in Teheran.

Es gehe dabei zuerst darum, dass die Todesstrafe im Iran überhaupt angewendet werde, so der ÖVP-Politiker. „Dann ist da die enorme Zahl, und die Art und Weise, wie sie vollstreckt wird.“ Das geschehe zum Teil öffentlich, kritisierte der 27-Jährige. Zudem wolle er mit Zarif ein „paar konkrete Fälle“ besprechen. Solche habe er bereits bei früheren Treffen mit Zarif angesprochen und den Eindruck gewonnen, „dass das eine Bewegung bewirkt hat“.

Generell habe in Menschenrechtsfragen ein einzelnes Gespräch wohl noch „niemals beeindruckt“, räumte Kurz ein. Aber durch Abschottung gebe es auch keine Veränderung. „Veränderung gibt es nur durch Dialog. Wir werden uns bemühen, einen kleinen Beitrag zu leisten.“ In Papieren westlicher Diplomaten heißt es bezüglich der Lage in der Islamischen Republik: „Die Menschenrechtslage im Iran bleibt weiterhin schlecht. Der Iran ist weltweit Spitzenreiter bei Todesstrafen und verhafteten JournalistInnen. Todesurteile gegen zum Tatzeitpunkt Minderjährige werden regelmäßig vollstreckt.“

In 6 Tagen 29 Hinrichtungen
Und weiter: „Regelmäßig stehen bestimmte Bevölkerungsgruppen besonders im Visier der iranischen Sicherheitskräfte und der (nicht unabhängigen) Justiz.“ Betroffen seien vor allem „Studierende, UniversitätsprofessorInnen, JournalistInnen, Internet-NutzerInnen, BloggerInnen, GewerkschafterInnen, KünstlerInnen, StrafverteidigerInnen in Menschenrechtsfällen und religiöse Minderheiten.“ Laut dem „Nationalen Widerstandsrat“, der iranischen Exilopposition, wurden allein in den letzten sechs Tagen 29 Menschen im Iran hingerichtet, darunter drei junge Männer, die zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung 14, 16 und 17 Jahre alt waren.

Die Reise dient auch dazu, einen bevorstehenden Besuch von Bundespräsident Heinz Fischer vorzubereiten. Ein Besuch des Österreichischen Kulturforums in Teheran stand am Sonntag ebenfalls auf dem Programm. Mit dem als gemäßigt geltenden Präsidenten Hassan Rohani war laut Diplomatenkreisen ebenso ein Gespräch geplant wie mit Ex-Präsident Ali Akbar Hashemi-Rafsanjani, den Chef des mächtigen Schlichtungsrates. Rafsanjani gilt als politischer Mentor Rohanis. Diese beiden Treffen sollen Montag stattfinden.

Iran zu Menschrechtsdiskussion mit EU bereit

ORF – 27.04.2014 – Der Iran ist trotz aller Meinungsverschiedenheiten mit der Europäischen Union (EU) zu einer Diskussion über die Menschrechtslage im Land bereit. „Falls diese Diskussionen auf der Basis von gegenseitigem Respekt geführt werden, sind wir bereit, sie auch zu führen“, sagte Außenminister Mohammed Dschawad Sarif heute in Teheran.

Kurz in Teheran

Das Thema sei auch in seinem Treffen mit seinem Amtskollegen Sebastian Kurz (ÖVP) in Teheran zur Sprache gekommen. Beide räumten zwar Meinungsverschiedenheiten ein, wollten aber die Diskussionen weiterführen. Sarif unterstrich den guten Willen des Iran im Atomstreit. Das Thema Langstreckenraketen müsse aber ausgeklammert bleiben. Kurz betonte die positiven Aspekte eines möglichen Abkommens und kritisierte die Todesstrafe im Iran.
Langjährige Kontroversen
Die Menschenrechtslage im Iran sorgt für Kontroversen zwischen der Führung in Teheran und dem Westen. Diskussion und Ton verschärften sich nach der Präsidentenwahl von 2009 und der folgenden Niederschlagung von Protesten. Die Demonstranten warfen dem Regime unter anderem vor, Wahlergebnisse gefälscht und so für die Wiederwahl das damaligen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad gesorgt zu haben.
Nicht nur Dissidenten und Journalisten wurden verhaftet, sondern auch führende Politiker. Die beiden Oppositionsführer damals – Ex-Ministerpräsident Mir Hussein Mussawi und der ehemalige Parlamentspräsident Mehdi Karrubi – stehen, trotz nationaler und internationaler Kritik, noch immer unter Hausarrest.

Kurz im Iran: Ablehnung der Todesstrafe als Schwerpunkt

27.04.2014 – (APA) Tiroler Tageszeitung Online – 29 Menschen wurden laut dem „Nationalen Widerstandsrat“ in den letzten sechs Tagen im Iran hingerichtet. Außenminister Sebastian Kurz will auch den religiösen Dialog mit der Islamischen Republik forcieren. Teheran – Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) wird bei seinem Besuch im Iran als Schwerpunkt auch das Thema Menschenrechte und dabei speziell die Todesstrafe ansprechen.

„Das ist eine Art und Weise der Bestrafung, die wir aufgrund unseres Wertefundaments klar ablehnen“, betonte der Minister vor seinem für Sonntag angesetzten Treffen mit seinem Amtskollegen Mohammad Javad Zarif in Teheran.
Mit Amtskollegen „konkrete Fälle besprechen“
Es gehe dabei zuerst darum, dass die Todesstrafe im Iran überhaupt angewendet werde, so der ÖVP-Politiker. „Dann ist da die enorme Zahl, und die Art und Weise, wie sie vollstreckt wird.“ Das geschehe zum Teil öffentlich, kritisierte der 27-Jährige. Zudem wolle er mit Zarif ein „paar konkrete Fälle“ besprechen. Solche habe er bereits bei früheren Treffen mit Zarif angesprochen und den Eindruck gewonnen, „dass das eine Bewegung bewirkt hat“.
Generell habe in Menschenrechtsfragen ein einzelnes Gespräch wohl noch „niemals beeindruckt“, räumte Kurz ein. Aber durch Abschottung gebe es auch keine Veränderung. „Veränderung gibt es nur durch Dialog. Wir werden uns bemühen, einen kleinen Beitrag zu leisten.“
Iran weltweit Spitzenreiter bei Todesstrafen
In Papieren westlicher Diplomaten heißt es bezüglich der Lage in der Islamischen Republik: „Die Menschenrechtslage im Iran bleibt weiterhin schlecht. Der Iran ist weltweit Spitzenreiter bei Todesstrafen und verhafteten JournalistInnen. Todesurteile gegen zum Tatzeitpunkt Minderjährige werden regelmäßig vollstreckt.“
Und weiter: „Regelmäßig stehen bestimmte Bevölkerungsgruppen besonders im Visier der iranischen Sicherheitskräfte und der (nicht unabhängigen) Justiz.“ Betroffen seien vor allem „Studierende, UniversitätsprofessorInnen, JournalistInnen, Internet-NutzerInnen, BloggerInnen, GewerkschafterInnen, KünstlerInnen, StrafverteidigerInnen in Menschenrechtsfällen und religiöse Minderheiten.“ Laut dem „Nationalen Widerstandsrat“, der iranischen Exilopposition, wurden allein in den letzten sechs Tagen 29 Menschen im Iran hingerichtet, darunter drei junge Männer, die zum Zeitpunkt ihrer Verhaftung 14, 16 und 17 Jahre alt waren.
Auch Gespräch zu Religionsfragen geplant
Neben dem laufenden Prozess der Gespräche zum Atomkonflikt mit dem Iran soll laut Kurz auch das Bemühen Österreichs unterstrichen werden, mit der Islamischen Republik in Religionsfragen in Dialog zu treten.

Er habe mit Zarif darüber schon in Wien einmal gesprochen, erklärte der Minister, und „zumindest keine Absage“ bekommen.

Die Reise dient auch dazu, einen bevorstehenden Besuch von Bundespräsident Heinz Fischer vorzubereiten. Ein Besuch des Österreichischen Kulturforums in Teheran steht am Sonntag ebenfalls auf dem Programm.

Mit dem als gemäßigt geltenden Präsidenten Hassan Rohani war laut Diplomatenkreisen ebenso ein Gespräch geplant wie mit Ex-Präsident Ali Akbar Hashemi-Rafsanjani, den Chef des mächtigen Schlichtungsrates. Rafsanjani gilt als politischer Mentor Rohanis. Diese beiden Treffen sollen Montag stattfinden.
Traditionell gute Beziehungen zum Iran
Österreich versteht sich als Brückenbauer zum Iran und unterhält traditionell gute Beziehungen zu Teheran. Nicht zuletzt deshalb – aber auch als Sitz der Internationalen Atomenergiebehörde IAEO/IAEO ist Wien auch Austragungsort von Gesprächen, die den Atomkonflikt zwischen Teilen der Internationalen Gemeinschaft und dem Iran lösen sollen. Kurz ortete von beiden Seiten „positive Signale“.

Für eine genaue Einschätzung der Erfolgsaussichten sei es aber noch zu früh.
Derzeit leidet der iranische Alltag noch unter Wirtschaftssanktionen. Die wirtschaftspolitische Bilanz des Iran in den vergangenen Jahren wird von Diplomaten als „dürftig“ beschrieben. Es gebe eine „sehr hohe Inflation, einen dramatischen Kursverfall der eigenen Währung, steigende Arbeitslosigkeit, geringe Löhne und daher auch weit verbreitete Armut.“ Viele Iraner könnten von ihrem Hauptberuf nicht leben. „Sie sind zu Nebentätigkeiten gezwungen.“ (APA)

 

Iranische Todeskandidatin könnte begnadigt werden

20. April 2014 – Zeitonline – Teheran (AFP) Eine junge Iranerin, die wegen der Ermordung eines Mannes zum Tode verurteilt wurde, könnte von dessen Sohn begnadigt werden. „In ihrem Geständnis hat sie gesagt, dass ein Mann sich in der Wohnung befand in dem Moment, da mein Vater erstochen wurde, doch sie weigert sich, seine Identität zu nennen“,

sagte Dschlal, der Sohn des Mordopfers Mortesa Abdolali Sarbandi, der Zeitung „Etemad“ von Samstag. „Wenn sie die Wahrheit sagt, wird sie begnadigt“, sagte Dschalal. Wenn nicht, werde sie hingerichtet.

Irans Führer: Berufstätigkeit der Frauen zweitrangig

Abendzeitung- dpa, 19.04.2014 – Teheran – Das Thema Berufstätigkeit der Frauen im Iran ist nach Einschätzung des obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei nur von zweitrangiger Bedeutung. „Wir sollten nicht auf westliche Klischees, die zweitrangig sind, achten … die Berufstätigkeit der Frauen ist zum Beispiel ein zweitrangiges Thema“, sagte der Ajatollah bei einem Treffen mit iranischen Wissenschaftlerinnen.

Wichtig sei, dass den Frauen zu Hause eine entspannte Atmosphäre gewährleistet werde, damit sie ihre Aufgabe als ideale Hausfrau und Familienmanagerin ausführen können, so der Führer laut der Nachrichtenagentur ISNA. Im Iran gelten islamische Vorschriften, wonach Frauen in vielen Belangen nicht die gleichen Rechte wie Männer haben.

HIER wird die Hinrichtung der Iranerin nachgestellt

17.04.2014 – Bild.de- Aktion soll die verurteilte Rayhaneh Jabbari retten – Von ANTJE SCHIPPMANN: Weltweit protestieren Menschenrechtler gegen die geplante Hinrichtung der jungen Iranerin Rayhaneh Jabbari (26). Jetzt hat sich auch die Organisation „Femen“ den Protesten angeschlossen – mit einer spektakulären Aktion.

Auf ihrer Facebook-Seite posten die Nackt-Aktivistinnen ein erschreckendes Foto: An einem Baum hängt eine Frau, die ein Kopftuch trägt, eine andere Frau mit Henkersmaske hält noch den Strick. Die beiden zeigen, wie die Exekution der 26 Jahre alten Iranerin Jabbari aussehen würde, die verurteilt wurde, weil sie ihren Vergewaltiger in Notwehr tödlich verletzte hatte.
„Mit dieser Aktion will die Organisation die Aufmerksamkeit für Jabbaris Schicksal steigern“, sagt Femen-Aktivistin Hellen Langhorst (24) zu BILD. In einem Berliner Park, befestigt an einem Gurt um die Hüfte, haben die Frauen das Foto gemacht.
„Dieses Bild stellt die Realität dar. Die Frauen müssen sogar noch bei ihrer Hinrichtung verschleiert sein“, sagt Langhorst. „Rayhaneh Jabbari ist leider kein Einzelfall. Es wird Zeit, dass Europa aufwacht und sich gegen diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit erhebt und nicht noch die Henkerswerkzeuge liefert.“
Die Femen-Aktivistin spielt damit auf den Vorwurf an, dass die deutsche Firma „Atlas“ die Kräne in den Iran geliefert haben soll, an denen die zum Tode Verurteilten gehängt werden. Immer wieder tauchen Bilder von Hinrichtungen auf, die an Kränen der Firma vollstreckt werden.
Rayhaneh Jabbari hatte sich vor sieben Jahren gegen einen Vergewaltiger gewehrt und ihn in Notwehr mit einem Messer erstochen. Nach 56 Tagen Einzelhaft, tagelanger Folter und einem drei Tage dauernden Prozess wurde die damals 19-Jährige zum Tod durch Erhängen verurteilt. Seit sieben Jahren sitzt sie in einer Todeszelle im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis.
► Infolge des internationalen Drucks wurde Jabbaris Hinrichtung, die für diese Woche geplant war, inzwischen verschoben. Ein neuer Termin wurde noch nicht angesetzt.
Unter dem neuen Präsidenten Ruhani stieg die Anzahl der Hinrichtungen im Iran stark an. Amnesty International geht für das Jahr 2013 von mindestens 369 Hingerichteten aus. Bereits Anfang März 2014 beklagten UN-Sonderberichterstatter 176 Hingerichtete in diesem Jahr.
Im Iran gibt es 131 verschiedene „Vergehen“, die mit dem Tode bestraft werden können, darunter Ehebruch, Diebstahl, Homosexualität, Drogenbesitz und abweichende politische Meinungen.
Femen-Aktivistin Langhorst: „Femen fordert die absolute Trennung von Staat und Religion. Femen glaubt an die Universalität der Menschenrechte. Rayhaneh muss leben!“ Die letzte Forderung steht auch auf dem Bauch der scheinbar Gehängten auf dem Foto.

Exekutiert Iran ein Opfer sexueller Gewalt?

16. April 2014 -ZeitOnline- von Martin Gehlen: Eine junge Iranerin erstach einen Mann, der versuchte, sie zu vergewaltigen. Seit sechs Jahren sitzt sie im Gefängnis, ist zum Tode verurteilt. Nun regt sich Widerstand.  Ihr Schicksal erregt weltweit Aufsehen: Seit 2007 sitzt die 26-jährige Iranerin Reyhaneh Jabbari im berüchtigten Evin Gefängnis von Teheran. Der jungen Frau droht die Todesstrafe wegen angeblichen Mordes an Morteza Abdolali Sarbandi, einem Arzt und Ex-Mitarbeiter des Geheimdienstministeriums.

Diese Woche sollte Jabbari hingerichtet werden, eine Entscheidung, die die iranische Justiz jedoch angesichts des internationalen Drucks auf unbestimmte Zeit verschob. Anfang der Woche hatte sich sogar die UN-Menschenrechtskommission eingeschaltet: Sie forderte eine Annullierung der Todesstrafe, eine Neuauflage des Prozesses und erklärte mit Verweis auf „zuverlässige Quellen“, die Verurteilte habe aus Notwehr gehandelt. 
Nach Angaben von Reyhaneh Jabbari hörte der getötete Mediziner seinerzeit zufällig in einem Café ein Telefongespräch zwischen der damals 19-jährigen Designerin und einem Kunden und sprach sie an. Er gab vor, sich bei der Inneneinrichtung seiner Praxisräume beraten lassen zu wollen. Am Nachmittag des 7. Juli 2007 verabredeten sich beide zu einer ersten Besichtigung. In den Räumen jedoch habe der Mann, der wesentlich älter war als sein Opfer, sie sofort sexuell bedrängt und zu vergewaltigen versucht. In Panik habe sie ihr Taschenmesser gezückt und dem Mann in den Rücken gestochen, gab die Angeklagte später zu Protokoll.
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Anschließend sei sie ins Freie gelaufen und habe einen Krankenwagen alarmiert. Als die Sanitäter eintrafen, war ihr Peiniger bereits verblutet. Am Tatort fand die Polizei Kondome und ein Glas Saft, in das der Getötete ein Beruhigungsmittel eingerührt hatte.
Geständnis unter Druck?
Der Strafprozess im Jahr 2009 verlief nach Einschätzung der UN-Menschenrechtler unfair und einseitig, offenbar weil der Getötete ein ehemaliger Mitarbeiter des Geheimdienstes war. Das Geständnis der 26-Jährigen sei unter starkem Druck, vielleicht auch unter Folter erpresst worden. Auch habe das Gericht „eminent wichtige“ Beweismittel offenbar nicht in seinem Urteil berücksichtigt – etwa das Saftglas mit dem Tranquilizer. Falls dies stimme, „könnte Frau Jabbari gleich in zweifacher Hinsicht zum Opfer geworden sein – einmal durch den Angreifer und dann durch das Justizsystem, was Opfer eigentlich schützen soll gegen sexuelle und körperliche Gewalt“, heißt es in dem UN-Memorandum.
Der Aufschub der Hinrichtung könnte aber auch bedeuten, dass hinter den Kulissen Gespräche zwischen der Familie der Verurteilten und der Familie des Getöteten stattfinden, um die Todesstrafe abzuwenden. Denn im Scharia-Strafrecht des Iran verankert ist die aus vorislamischem Stammesrecht übernommene Praxis der Blutrache, Qisas genannt. Danach darf eine vorsätzliche Körperverletzung oder ein Mord gerächt werden durch eine gleichartige Verwundung beziehungsweise durch die Tötung des Täters. Die Familie des Getöteten kann allerdings auch ein angemessenes Blutgeld akzeptieren – oder ganz auf Wiedergutmachung verzichten und den Täter oder die Täterin begnadigen. So appellierte der iranische Oscar-Preisträger von 2011, Asghar Farhadi, zusammen mit zahlreichen Künstlern und Musikern an die Frau und die drei Kinder des Ex-Geheimdienstlers, Reyhaneh Jabbari zu begnadigen. „Wenn ihr sie begnadigt, will ich diesen Tag zum Tag der Gnade ausrufen“, schrieb der weltberühmte Regisseur in seinem offenen Brief.
Iran war im Jahr 2013 nach China das Land mit den meisten Exekutionen weltweit, eine Praxis, die sich auch nach der Wahl des gemäßigten Präsidenten Hassan Rowhani im letzten Juni nicht geändert hat. Seit Anfang 2014 wurden nach UN-Angaben bereits mehr als 170 Iraner hingerichtet, darunter mindestens zwei Frauen. Auffällig zugenommen hat auch die Zahl öffentlicher Exekutionen, die jedes Mal abertausende Schaulustige anziehen.

 

Zeitung: Iraner entgeht seiner Hinrichtung nach Protesten

17. April 2014 – ZeitOnline – Teheran (AFP) Im Iran ist ein junger Mann einem Zeitungsbericht zufolge knapp seiner Hinrichtung entgangen, nachdem die Mutter seines Opfer ihm vergeben hat. Die Mutter Samereh Alinedschad habe dem jungen Mann, der 2007 im Alter von 19 Jahren ihren Sohn bei einem Streit mit dem Messer getötet hatte, vergeben,

als er am Dienstag in der nordiranischen Stadt Noschahr bereits die Schlinge um den Hals hatte, berichtete am Donnerstag die Tageszeitung „Schargh“.