Archiv für Mai 2014

Iran: Tänzer aus „Happy“-Video wieder auf freiem Fuß

heise – 22.05.2014 – Fast alle der im Iran wegen eines Videoclips zu dem Song "Happy" festgenommenen Männer und Frauen sind wieder frei. Nur der Regisseur des Films, in dem tanzende unverschleierte Frauen zu sehen sind, wird angeblich weiter festgehalten.

Im Iran sind die zwischenzeitlich festgenommenen Tänzer aus einem Youtube-Videoclip wieder frei. Das berichtet zumindest die BBC und verweist auf einen Eintrag bei Instagram, in dem sich eine der mutmaßlich Festgehaltenen mit "Hi, I'm back" zurückmeldet. In dem Eintrag dankt sie auch Pharrell Wiliams, der auf Facebook seine Solidarität mit den Festgenommenen erklärt hatte. Auch die International Campaign for Human Rights in Iran (ICHRI) hat inzwischen auf Twitter erklärt, dass alle bis auf den Regisseur wieder freigelassen wurden.
Weil sie – unverschleiert – in einer Teheraner Version der beliebten Internetvideos zu dem Song Happy" von Pharrell Williams tanzten, waren mehrere Männer und Frauen festgenommen worden. Im iranischen Fernsehen waren einige von ihnen zu sehen, wie sie öffentlich erklärten, getäuscht worden zu sein. Das Video habe nicht veröffentlicht werden sollen. Der örtliche Polizeichef hatte die Festnahmen damit begründet, dass der Clip "vulgär" sei und "die öffentliche Reinheit" verletze. Unter dem islamischen Recht im Iran müssen sich Frauen in der Öffentlichkeit verschleiern. Die Einhaltung dieser und anderer Vorgaben wird von einer Religionspolizei überwacht.
 

Zensur in Iran: Jugendliche landen nach „Happy“-Tanz im Gefängnis

Mittwoch, 21.05.2014 – SpiegelOnline- Teheran – Pharrell Williams' Song "Happy" ist ein globaler Hit. Hobbyfilmer in vielen Teilen der Welt haben das Gute-Laune-Video zu dem Lied auf den Straßen ihrer Stadt nachgetanzt, ob in Peking oder an der Uni Marburg. Nichts anderes haben nun sechs iranische Jugendliche getan – doch sie sind im Gefängnis gelandet.

Drei junge Männer und drei junge Frauen aus Teheran hatten ihre Version von "Happy" aufgenommen und den Clip auf YouTube gestellt. Die Frauen tanzten dabei unverschleiert – und prompt wurden die sechs Jugendlichen von der Sitten- und Internet-Polizei identifiziert und festgenommen.
Nach der Veröffentlichung eines "vulgären Clips im Cyberspace", der gegen die "öffentliche Sittsamkeit" verstoße, seien alle Beteiligten ermittelt und festgenommen worden, meldete die Nachrichtenagentur Isna unter Berufung auf die Teheraner Polizei. Die sechs Festgenommenen hätten ihre "kriminellen Taten" gestanden. Ein Videoclip zeigt offenbar, wie sie von der Polizei verhört werden.
Video gelöscht – andere Nutzer laden Kopien hoch
Ihr "Happy"-Video wurde entfernt, doch nun haben andere Nutzer Kopien der Teheran-Version von "Happy" hochgeladen. Auf Twitter machten zahlreiche Nutzer unter dem Hashtag #FreeHappyIranians auf das Schicksal der Jugendlichen aufmerksam. Die "BBC" berichtete am Abend, dass die Jugendlichen nach Informationen der International Campaign for Human Rights in Iran (ICHRI) wieder freigelassen worden seien. Ohne Bezug auf die Festnahmen twitterte der iranische Präsident Hassan Rouhani einen Beitrag, den er bereits vor rund einem Jahr getwittert hatte: "#Happiness is our people's right. We shouldn't be too hard on behaviors caused by joy." ("#Glück ist das Recht unseres Volkes. Wir sollten nicht allzu hart gegenüber Verhaltensweisen sein, die durch Freude passiert sind.")
Laut iranischen Gesetzen sind westliche Popmusik, gemeinsamer Tanz unverheirateter Männer und Frauen sowie öffentliches Auftreten der Frauen ohne Schleier verboten. Auch das Internet wird in Iran massiv überwacht, der Zugang zu YouTube ist untersagt. Die eigens gebildete "Moralpolizei" wacht darüber. Internationale Beobachter üben regelmäßig Kritik an der Menschenrechtslage im Land.
Kürzlich startete eine iranische Journalistin eine Facebook-Kampagne, in der sie Landsfrauen aufruft, sich unverschleiert zu fotografieren..
fab/AFP/dpa
 

Iran: Zerstörung von Friedhöfen der Bahai

Donnerstag, 08.05.2014 – The Huffington Post – Fortgesetzte Verfolgung friedlicher religiöser Minderheiten unter Hassan Rohani / Grabstellen von 10 Frauen dieser Glaubensgemeinschaft geschändet
Im Iran werden nicht nur Studenten, Frauen und politische Aktivisten von Oppositionsgruppen, Gewerkschaften und Menschenrechtsaktivisten unterdrückt, sondern auch religiöse Minderheiten. Vor allem die Derwische und die Bahai leiden seit Jahrzehnten unter Pogromen, der Zerstörung ihrer Tempel und Friedhöfe und der Aberkennung ihrer Staatsbürgerschaft.

Darunter hat sich auch unter dem neuen sogenannten „moderaten“ Präsidenten des Mullah-Staates Hassan Rohani nichts geändert. In einer Erklärung des iranischen Widerstandsrates vom 4. Mai, die auf seiner Webseite zu lesen ist, wird über die Zerstörung von Friedhöfen der Bahai in Schiraz durch Revolutionsgardisten und anderen Sicherheitskräften berichtet. Die Grabstellen von fast 1000 Mitgliedern der Bahai Religion – darunter auch 10 Frauen dieser Glaubensgemeinschaft, die 1983 vom iranischen Regime hingerichtet wurden – wurden geschändet, Grabsteine zerstört und zerbrochen.
Weltweit gibt es ca. fünf bis acht Millionen Anhänger der Bahai, Zentren ihrer Religion befinden sich in Indien, Afrika und Amerika. Ihr Ursprung kommt jedoch aus dem Iran. Die Bahai-Religionsgemeinschaft leidet seit ihrer Gründung im Iran unter schwerer Verfolgung.
Seit der islamischen Revolution hat sich die Lage der Bahai noch einmal verschärft. Ihnen wird unter anderem die Aufnahme in Bildungseinrichtungen verweigert, sie werden von Sozialleistungen ausgeschlossen, enteignet, wird die Staatsbürgerschaft entzogen oder Konten gesperrt. Immer wieder kommt es zu Pogromen, Geschäfte werden in Brand gesetzt, Felder zerstört und Vieh wird getötet oder gestohlen, zudem wurde quasi die gesamte Führung der Bahai bis 1985 ausgelöscht und 210 Menschen hingerichtet. Unter ihnen waren auch 10 Bahai-Frauen, die auf diesem Friedhof begraben wurden.
Unter Mahmoud Ahmadinejad wurden die Bahai vom iranischen Geheimdienst MOIS überwacht und es gab zahlreiche Berichte über Folterungen und Schikanen, auch gegen jugendliche Anhänger und Kinder. Oft werden seine Anhänger als „Spione Israels“ oder wegen „Propaganda gegen das islamische System“ zu schweren Haftstrafen oder Todesstrafen verurteilt. In einem auch im Westen bekannt gewordenen Fall wurden Mitte 2010 sieben Bahai zu 20 Jahren Haft aufgrund dieser Anklagepunkte verurteilt.
Schätzungsweise 10.000 Bahai sind bisher aus dem Iran ins Exil geflohen.

Teheran: Iraner demonstrieren für strenge Kleidervorschriften

Donnerstag, 08.05.2014 – Spiegel Online – syd/AFP – Viele Iranerinnen zeigen ihr Haar und tragen eng anliegende Kleider – Präsident Rohani hat die Sittenpolizei zu mehr Toleranz aufgerufen. Konservativen geht das zu weit: Sie demonstrieren für „Keuschheit und moralische Sicherheit“.

Teheran – Die Kleidungsvorschriften für Frauen in Iran sind streng: Sie müssen ihr Haar mit einem Schleier verdecken und weite Gewänder tragen, die verhindern sollen, dass sich die Figur der Frau darunter abzeichnet. Doch längst nicht alle Iranerinnen halten sich daran.

Manchen konservativen Iranern geht das zu weit. Am Mittwoch haben sie vor dem Innenministerium in Teheran dagegen protestiert, dass die Kleidungsvorschriften für Frauen aufgeweicht werden. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna sollen 4000 Männer und Frauen an der Kundgebung teilgenommen haben. Augenzeugen sprechen von etwa 500 Demonstranten, unter ihnen seien viele Theologiestudenten gewesen.
„Öffentliche Keuschheit, das Tragen des Schleiers und moralische Sicherheit sollten nicht vergessen werden – trotz Wirtschaftssanktionen und Regierungswechsel“, hieß es in einer Erklärung, die während des Protests verlesen wurde. Die Behörden müssten wieder mehr dafür sorgen, dass diese Regeln eingehalten werden, forderten die Demonstranten. Einige Teilnehmer trugen Schilder mit Losungen wie: „Gehorcht Gott und seinem Propheten“.
„Unmoral ist sehr weit verbreitet in unserer Gesellschaft. Wir müssen etwas dagegen tun, bevor es zu spät ist“, sagte eine Demonstrantin der „Los Angeles Times“.
Konservative wittern Verrat
Nach Angaben iranischer Medien wurde die Kundgebung nach kurzer Zeit aufgelöst, weil die Organisatoren den Protest nicht angemeldet hatten. „Jemand, der die Tugenden schützen will, sollte nicht so einen Gesetzesbruch begehen“, sagte Hossein Haschemi, Gouverneur der Provinz Teheran, der Nachrichtenagentur Isna.

Die Kundgebung ist ein Zeichen dafür, dass ein Teil der iranischen Gesellschaft den moderaten Kurs des neu gewählten Präsidenten Hassan Rohani mit Unbehagen sieht. Konservative Iraner sehen in seiner offenen Haltung gegenüber dem Westen einen Verrat an den Idealen der Islamischen Revolution.
Die Sittenwächter der iranischen Polizei, die eigentlich die Einhaltung der Kleidungsvorschriften kontrollieren sollen, schreiten immer seltener dagegen ein. Im vergangenen Jahr hatte Rohani die Sittenpolizei nämlich zu mehr Zurückhaltung und Toleranz aufgerufen.
Die drohenden Strafen halten Frauen nicht von mehr Freizügigkeit ab: Besonders in den Sommermonaten rutscht das Kopftuch mitunter weit in den Nacken. In den großen Städten tragen mehr und mehr junge Frauen körperbetonte Mode. Bei Verstößen drohen den Iranerinnen Geldstrafen und Festnahmen.
syd/AFP