Teheran: Iraner demonstrieren für strenge Kleidervorschriften

Donnerstag, 08.05.2014 – Spiegel Online – syd/AFP – Viele Iranerinnen zeigen ihr Haar und tragen eng anliegende Kleider – Präsident Rohani hat die Sittenpolizei zu mehr Toleranz aufgerufen. Konservativen geht das zu weit: Sie demonstrieren für „Keuschheit und moralische Sicherheit“.

Teheran – Die Kleidungsvorschriften für Frauen in Iran sind streng: Sie müssen ihr Haar mit einem Schleier verdecken und weite Gewänder tragen, die verhindern sollen, dass sich die Figur der Frau darunter abzeichnet. Doch längst nicht alle Iranerinnen halten sich daran.

Manchen konservativen Iranern geht das zu weit. Am Mittwoch haben sie vor dem Innenministerium in Teheran dagegen protestiert, dass die Kleidungsvorschriften für Frauen aufgeweicht werden. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Irna sollen 4000 Männer und Frauen an der Kundgebung teilgenommen haben. Augenzeugen sprechen von etwa 500 Demonstranten, unter ihnen seien viele Theologiestudenten gewesen.
„Öffentliche Keuschheit, das Tragen des Schleiers und moralische Sicherheit sollten nicht vergessen werden – trotz Wirtschaftssanktionen und Regierungswechsel“, hieß es in einer Erklärung, die während des Protests verlesen wurde. Die Behörden müssten wieder mehr dafür sorgen, dass diese Regeln eingehalten werden, forderten die Demonstranten. Einige Teilnehmer trugen Schilder mit Losungen wie: „Gehorcht Gott und seinem Propheten“.
„Unmoral ist sehr weit verbreitet in unserer Gesellschaft. Wir müssen etwas dagegen tun, bevor es zu spät ist“, sagte eine Demonstrantin der „Los Angeles Times“.
Konservative wittern Verrat
Nach Angaben iranischer Medien wurde die Kundgebung nach kurzer Zeit aufgelöst, weil die Organisatoren den Protest nicht angemeldet hatten. „Jemand, der die Tugenden schützen will, sollte nicht so einen Gesetzesbruch begehen“, sagte Hossein Haschemi, Gouverneur der Provinz Teheran, der Nachrichtenagentur Isna.

Die Kundgebung ist ein Zeichen dafür, dass ein Teil der iranischen Gesellschaft den moderaten Kurs des neu gewählten Präsidenten Hassan Rohani mit Unbehagen sieht. Konservative Iraner sehen in seiner offenen Haltung gegenüber dem Westen einen Verrat an den Idealen der Islamischen Revolution.
Die Sittenwächter der iranischen Polizei, die eigentlich die Einhaltung der Kleidungsvorschriften kontrollieren sollen, schreiten immer seltener dagegen ein. Im vergangenen Jahr hatte Rohani die Sittenpolizei nämlich zu mehr Zurückhaltung und Toleranz aufgerufen.
Die drohenden Strafen halten Frauen nicht von mehr Freizügigkeit ab: Besonders in den Sommermonaten rutscht das Kopftuch mitunter weit in den Nacken. In den großen Städten tragen mehr und mehr junge Frauen körperbetonte Mode. Bei Verstößen drohen den Iranerinnen Geldstrafen und Festnahmen.
syd/AFP

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