Reporter der „Washington Post“: Kerry prangert Prozess gegen US-Journalisten in Iran an

Sonntag, 07.12.2014 – SpigelOnline- Im Sommer nahm die Polizei in Iran drei US-Journalisten fest, einer davon muss offenbar nun vor Gericht. US-Außenminister Kerry verurteilte das Verfahren gegen Jason Rezaian von der "Washington Post" scharf – und zeigte sich besorgt.

Washington – Im Sommer wurde er aus unbekannten Gründen festgenommen, nun soll dem US-Reporter Jason Rezaian in Iran der Prozess gemacht werden. Über einen entsprechenden Bericht der "Washington Post" zeigte sich US-Außenminister John Kerry nun "zutiefst enttäuscht". Der Richter habe zudem das Gesuch des Journalisten abgelehnt, gegen Bewährung auf freien Fuß zu kommen.

Zugang zu einem Anwalt habe Rezaian, der für die renommierte "Washington Post" arbeitet, ebenfalls nicht gehabt, sagte Kerry weiter. Er teile die Sorge von Rezaians Familie, dass der Inhaftierte körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt sei und nicht angemessen medizinisch betreut werde.
"Jason stellte keine Gefahr für die iranische Regierung oder die Sicherheit Irans dar", sagte Kerry. Er forderte, sämtliche Anklagen fallen und Rezaian umgehend freizulassen. Iran lehnt es Kerry zufolge ab, den USA mit Hilfe der Schweiz konsularischen Zugang zu Rezaian zu ermöglichen.
Verfahren gegen "Feinde und deren Agenten"
Rezaian war im Juli zusammen mit drei anderen Journalisten festgenommen und inhaftiert worden. Damals hieß es offiziell lediglich, Iran werde nicht erlauben, dass "unsere Feinde und deren Agenten" im Land aktiv seien. Neben Rezaian und dessen Ehefrau Yeganeh Salehi waren zwei Fotografen aus den USA unter den Festgenommenen.
Rezaian ist US- und iranischer Staatsbürger, seine Frau Iranerin. Der 38-jährige Journalist berichtet seit 2012 aus Teheran, Salehi arbeitet als Korrespondentin für die in den Vereinigten Arabischen Staaten ansässige Zeitung "The Nation". Nach Angaben der "Washington Post" hatte sie sich zuletzt um eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis in den USA bemüht.
Das Verhältnis zwischen den USA und Iran ist seit dem Sturz des Schahs 1979 angespannt. Die Besetzung der US-Botschaft mit anschließender Geiselnahme durch militante iranische Studenten führte 1980 zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Diese wurden bis heute nicht wieder aufgenommen. Allerdings verbesserte sich das Verhältnis seit dem Amtsantritt des iranischen Präsidenten Hassan Rohani im vergangenen Jahr – zuletzt wurden die Atomverhandlungen zwischen Teheran und dem Westen bis zum Sommer verlängert.
mxw/dpa/AFP/AP/Reuters

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