Harte Drogen haben im Iran Konjunktur

14.02.2015 – Die Welt – Von Ali Akbar Dareini: Drogenkonsum wird im Iran hart bestraft. Doch das schreckt viele nicht mehr ab. Die Zahl der Abhängigen steigt. Bereits 2,2 der 80 Millionen Iraner sollen süchtig sein – vor allem nach Crystal Meth.
Ghasal Toluian ist Psychologin und arbeitet in einem Bergdorf nordwestlich von Teheran. In einem Therapiecamp behandelt sie Dutzende Crystal-Meth-Abhängige. Viele ihrer Patienten seien Studenten, die mithilfe der Wachmacher die Examen zur Universitätszulassung bestehen wollten, sagt Toluian. Andere griffen zu den Aufputschern, weil sie bis zur Erschöpfung in zwei oder drei Jobs arbeiteten, um über die Runden zu kommen.

Obwohl auf viele Drogendelikte die Todesstrafe steht, explodieren im Iran Herstellung und Konsum harter Drogen. Nach Angaben der Drogenbekämpfungs- und Gesundheitsbehörden sind mehr als 2,2 Millionen von 80 Millionen Bürgern des Landes abhängig von illegalen Drogen, darunter 1,3 Millionen in gemeldeten Behandlungsprogrammen. Die Zahlen steigen demnach jährlich, obwohl gegen verurteilte Schmuggler häufiger die Todesstrafe verhängt wird: Neun von zehn Exekutionen entfallen inzwischen auf Drogendelikte.
Für jedes entdeckte Drogenlabor schießen nach Angaben von Parvis Afschar von der iranischen Drogenbekämpfung zwei neue aus dem Boden, darunter häufig in privaten Wohnungen, wo die kleinen Crystal-Meth-Küchen nur schwer aufgespürt werden können. Die Polizei fand und vernichtete Afschar zufolge in den vergangenen zwölf Monaten mindestens 416 Crystal-Meth-Labore, im Vorjahreszeitraum waren es 350.

„Drogenabhängigkeit ist eine Tatsache“

Bisher finanzierte das iranische Gesundheitsministerium Rehabilitationskliniken für Drogenkranke nur zögerlich. Doch inzwischen existiert ein wachsendes Netz privater Einrichtungen, die teilweise staatliche Zuschüsse erhalten – manche unter der Leitung ehemaliger Abhängiger. „Als ich dieses Heim gründete, erhielt ich keine Unterstützung von den Behörden, doch nach einigen Jahren harter Arbeit waren sie überzeugt, dass es besser ist, Drogenabhängigen Versorgung und Unterkunft zu bieten“, sagt Madschid Mirsaei, Leiter einer Anlaufstelle für Drogenkranke und früher selbst Konsument.
AP

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