Weihnachten im Flüchtlingshaus: Ein kleines Stück Frieden

26 Dezember 2015, Salzburg Nachrichten – Von Eva Hammerer – Muslime und Christen feiern gemeinsam Weihnachten im Flüchtlingshaus Seekirchen. Sie schmücken den Christbaum und tanzen zu Klängen aus ihrer Heimat. Kurz vor 15 Uhr ist die Tür zum Gemeinschaftsraum im Flüchtlingshaus des Roten Kreuzes in Seekirchen noch zu. Die Musiker sind schon drinnen: Abdel Wahab zupft auf seiner Tanbur, einer Langhalslaute. Er spielt nach Gehör.

„Ich komme aus einem kleinen Dorf und kann keine Noten lesen“, sagt der Syrer. An seiner Seite ist Mohammed. Er ist Organist und Profimusiker. Auch er kommt aus Syrien und hat schon als kleines Kind Klavier gespielt. Am Mittwoch spielt er auf dem Keyboard.

Die ersten Gäste warten schon, vor allem die Kinder sind neugierig. Maria Gruber, Mitarbeiterin des Roten Kreuzes, bereitet alles vor. Unterstützung erhält sie von ehrenamtlichen Mitarbeitern des Vereins „Seekirchen hilft“. Koordinationsleiterin Doris Kessler hat Geschenke für die Flüchtlinge mitgebracht. Schulsachen und Spielzeug für die Kinder sind in Geschenkpapier gewickelt. Für die Erwachsenen hat sie Leckereien gekauft, Oliven und Türkischen Honig. Mit rund 300 Freiwilligen kümmert sie sich um die Integration der Flüchtlinge in Seekirchen. Sie geben Deutschkurse, organisieren Fahrdienste, Ausflüge und gemeinsame Abende mit Einheimischen.
Hausleiterin Christina Semper erklärt: „Viele, die heute hier sind, sind Muslime. Aber sie kennen das Weihnachtsfest. In Syrien feiern Muslime und Christen oft gemeinsam.“ Davon erzählt auch Ahmed, der mit seinen Kinder Mona (4) und Saud (6) bei der Feier ist. „Wir Muslime haben etwas Ähnliches wie Weihnachten. Das sind zwei Feiertage nach Ramadan. In Syrien feiern wir gemeinsam mit den Christen Weihnachten. Das spielt keine Rolle, wir sind befreundet.“ Er hofft nun, dass auch seine beiden erwachsenen Kinder bald nach Österreich kommen können.
Endlich öffnet sich die Tür, die Musiker spielen syrische und kurdische Lieder. Maria Gruber begrüßt die Gäste. Sie hat eine kleine Ansprache vorbereitet und alles mithilfe eines Flüchtlings auf Arabisch übersetzt. „Ich habe heute einen Baum und einen musikalischen Gruß aus der Heimat mitgebracht.“ Der Baum stehe für Hoffnung, dass im Frühling wieder alles neu wachse, die Lichter für Frieden und Freude in der dunklen Zeit. Der Schmuck sei ein Zeichen für die Freude und das Gute, das in der Welt geschehe. „Ich lade Sie ein, mit mir den Baum zu schmücken“, sagt sie. Erst sind die Flüchtlinge etwas zögerlich, doch das Eis ist schnell gebrochen. Viele flinke Finger behängen den Christbaum mit Kugeln, Girlanden und Lametta.
Dann werden die Geschenke verteilt. Es gibt Kekse und Mandarinen. Die Musiker spielen und die ersten Gäste tanzen dazu. Es scheint, als sei eine Last von ihnen abgefallen, die sie nach der langen Flucht aus ihrer von Krieg und Not geprägten Heimat mitgebracht haben.
Reza ist mit seinem Bruder aus dem Iran geflohen. Sie konvertierten vom Islam zum evangelischen Glauben. Seither wird die Familie von der Polizei verfolgt. Sein Bruder sei zwei Mal ins Gefängnis geworfen worden. „Wer im Iran geboren ist, der ist Muslim“, sagt Reza. Andersgläubige werden verfolgt. Die Brüder packten ihre Sachen und verließen ihre Heimat. „Ich vermisse den Iran und meine Familie, die ich nicht sehen kann. Das ist sehr schlimm für mich.“ Bei der Feier am Mittwoch konnte er seine Sorgen zumindest für kurze Zeit vergessen.

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