Nach Verurteilung wegen Spionage: Iran lässt „Washington Post“-Korrespondenten frei

16.01.2016 – DW – Jason Rezaian war 2014 im Iran festgenommen und wegen Spionage verurteilt worden. Mit ihm wurden drei weitere Häftlinge mit doppelter Staatsbürgerschaft freigelassen, kurz vor der endgültigen Umsetzung des Atomabkommens.

In Wien laufen die Verhandlungen über das Inkrafttreten des historischen Atomabkommens mit dem Iran. Kurz vorher wurde bekannt, dass Teheran vier Gefangene mit doppelter Staatsbürgerschaft freigelassen hat. Die Freilassungen erfolgten im „nationalen Interesse“ im Rahmen eines Gefangenen-Austauschs auf Anweisung des Nationalen Sicherheitsrates, erklärte der Teheraner Generalstaatsanwalt Abbas Dschafari Dolatabadi. Die Namen der Freigelassenen nannte er zunächst nicht.


Laut Medienberichten soll unter den Freigelassenen auch der Iran-Korrespondent Jason Rezaian sein, der für die Wahington-Post arbeitete. Das teilte auch die Zeitung über Twitter mit.
Rezaian war im Juli 2014 festgenommen und Ende November wegen Spionage zu einer Haftstrafe verurteilt worden, deren Länge nicht bekanntgegeben wurde. Seit über 500 Tagen saß er im berüchtigten Ewin-Gefängnis in Teheran. Er hat die Anschuldigungen stets bestritten. Er sei im Iran lediglich seiner journalistischen Arbeit nachgegangen. Auch die US-Regierung hat die Anklage als absurd zurückgewiesen und die sofortige Haftentlassung Rezaians gefordert. Jetzt sei der Journalist mit iranisch-US-amerikanischer Staatsbürgerschaft ebenso wie der Pfarrer Said Abedini unter den Vieren, die jetzt freigelassen worden sein sollen.
Gefangenenaustausch als Teil des Atom-Deals?
Außer Rezaian und Abedini, dem die Untergrabung der nationalen Sicherheit vorgeworfen wurde, waren im Iran bisher zwei weitere US-Bürger mit doppelter Staatsbürgerschaft inhaftiert. Bei ihnen handelt es sich um den früheren Soldaten Amir Hekmati, der der Spionage bezichtigt wird, sowie den Geschäftsmann Siamak Namazi, der Ende Oktober festgenommen wurde. Washington forderte immer wieder die Freilassung der vier Männer. Ob nun tatsächlich auch Hekmati und Namazi frei kamen, war zunächst nicht bekannt.
Der US-Sender CNN berichtete unter Berufung auf US-Quellen, im Rahmen des Gefangenenaustauschs seien auf US-Seite sieben iranische Gefangene freigelassen worden. Die Ankündigung erfolgte, während in Wien abschließend über den Atomdeal beraten wird.
pab/qu (afp, dpa, rtre)

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