Aus Deutschland abgeschoben: Konvertierter Christin droht im Iran die Todesstrafe

Dienstag 23.07.2019 – Focus – Die 58-jährige Iranerin Fatemeh Azad fürchtet momentan, in ihrem Geburtsland zum Tode verurteilt zu werden. Das Verbrechen, das ihr zur Last gelegt wird: Sie ist zum Christentum konvertiert, hat dem Islam den Rücken gekehrt.

2015 konvertierte Fatemeh Azad gemeinsam mit ihren drei Söhnen, aber gegen den Willen ihres Ehemanns, zum Christentum. Wie die „Bild“ berichtet, floh die Mutter mit ihren Söhnen im November nach Deutschland. Doch Mutter Fatemeh bekam vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) kein Asyl gewährt. Sie musste zurück in den Iran – trotz Lebensgefahr.

„Ihr Antrag wurde mit der Begründung abgelehnt, dass sie in der persönlichen Anhörung ihre Hinwendung zum christlichen Glauben nicht genügend glaubhaft machen konnte“, erklärte der Familien-Anwalt Christopher Lingnau gegenüber der „Bild“. Ein Pfarrer aus Azads Gemeinde äußert sich unverständlich gegenüber dieser Entscheidung. Die 58-Jährige habe regelmäßig an Gottesdiensten teilgenommen, sagt Frank Sattler. „Für uns ist mit Bekenntnis und Taufe die Konversion eine Tatsache.“ Der Iran sehe das auch so, erklärt er. Das Problem ist, dass das Bamf anderer Meinung war.

Menschenrechtsexperte: „Gefahr neu bewerten“

Diese Einschätzung könnte Fatemeh Azad nun zum Verhängnis werden. Daniel Karg, Menschenrechtsexperte von Amnesty International, erklärte gegenüber „Bild“: „Der Übertritt vom Islamzu einer anderen Religion gilt im Iranals Abfall vom Glauben – ein Verbrechen, das mit der Todesstrafe geahndet werden kann, wenn der Konvertit sich weigert, wieder zum Islam überzutreten.“ Seit Mai wartet Azad nun auf ihre Anklage.

Karg kritisiert das Vorgehen des Bamf und fordert Verbesserung: „Spätestens nach der Festnahme von Frau Azad müssen Bundesamt und Innenministerium die Gefahr neu bewerten und hinterfragen, ob zu verantworten ist, Konvertiten in den Iran abzuschieben.“

Söhne leben weiter in Deutschland

Das Einzige, was das Bamf laut „Bild“ bisher dazu zu sagen hatte war, dass man seinen Entscheidern aktuelle Herkunftsländer-Informationen zu Verfügung stelle, „die die Gefährdungslage von Kovertiten im Detail beschreiben“. Für Fatemeh Azad könnte das nicht ausreichen.

Ihre Söhne, die um das Leben ihrer Mutter bangen, sind weiterhin in Deutschland. Zwei der drei Männer sind verheiratet, bekamen wegen des westlichen Lebensstils ihrer Ehefrauen eine Aufenthaltsgenehmigung. Der dritte Sohn hat laut „Bild“ einen abgelaufenen Pass und müsste in der Botschaft einen neuen beantragen. Solange das nicht passiert, dulde man ihn in Deutschland. Kontakt darf Fatemeh Azad zu ihren Söhnen nicht aufnehmen.

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