US-Regierung über Proteste: „Viele, viele Hundert“ Iraner sollen getötet worden sein

Die Proteste gegen die Erhöhung der Benzinpreise sorgten für Verwüstung in Iran

Bei den Massenprotesten in Iran sind möglicherweise mehr Menschen getötet worden als zunächst angenommen. Laut einem Sondergesandten der US-Regierung könnte es mehr als tausend Todesopfer geben.

Freitag, 06.12.2019 – Spiegel – Iranische Sicherheitskräfte sollen bei den jüngsten Protesten nach Angaben der US-Regierung „viele, viele Hundert“ iranische Bürger ermordet haben. Das sagte der Sondergesandte des Außenministeriums für Iran, Brian Hook, in Washington.

Möglicherweise seien es sogar mehr als tausend Todesopfer. Wegen der Abschaltung des Internets sei es schwierig, eine exakte Opferzahl zu ermitteln, sagte Hook. „Es scheint, dass das Regime seit Beginn der Proteste mehr als 1000 iranische Bürger ermordet haben könnte“, sagte er. Viele Tausende seien verletzt und rund 7000 Demonstranten festgenommen worden. Die US-Regierung fordere die sofortige Freilassung aller politischen Gefangenen.

US-Präsident Donald Trump sprach am Rande eines Mittagessens mit Botschaftern der Staaten im Uno-Sicherheitsrat von einer „furchtbaren Situation“ in Iran. Der Sicherheitsrat müsse sich damit befassen. Trump betonte im Weißen Haus: „Amerika wird dem iranischen Volk in seinem gerechten Kampf um Freiheit immer zur Seite stehen.“

„Schlimmste politische Krise seit 40 Jahren“

In Iran waren Mitte November landesweite Proteste gegen eine von der Regierung angeordnete Erhöhung der Benzinpreise und die Rationierung von Kraftstoff ausgebrochen. Sicherheitskräfte gingen gewaltsam dagegen vor. Dabei kamen Amnesty International zufolge 208 Menschen ums Leben. Schon damit wären bei den jüngsten Unruhen so viele Menschen getötet worden wie bei Ausschreitungen in dem Land seit der Islamischen Revolution 1979 nicht mehr.

Auch Hook sprach von der schlimmsten politischen Krise für das Regime seit 40 Jahren. Die regierenden Ajatollahs hätten die Unterstützung großer Bevölkerungsteile längst verloren, sagte er.

Die US-Regierung hatte die Iraner angesichts der Unterdrückung der Proteste aufgefordert, über eine sichere Kommunikationsplattform Berichte, Videos und Fotos, die Menschenrechtsverletzungen zeigen, an das Außenministerium zu schicken. Bislang habe es rund 32.000 Einsendungen gegeben, die es der Regierung ermöglichten, das Ausmaß der Unterdrückung besser einzuschätzen, sagte Hook.

In einem Fall hätten Soldaten der Revolutionsgarden mit automatischen Gewehren das Feuer auf Demonstranten eröffnet, die vor den Sicherheitskräften geflohen waren, sagte er. Dabei seien mindestens einhundert Menschen ums Leben gekommen. Auch aus Teheran gebe es Bericht über Hunderte Tote. Im Ausland veröffentlichte Opferzahlen wies die iranische Regierung zurück.

hba/dpa/Reuters

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