{"id":1001,"date":"2022-11-12T01:27:51","date_gmt":"2022-11-12T00:27:51","guid":{"rendered":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/?p=1001"},"modified":"2022-11-12T01:27:51","modified_gmt":"2022-11-12T00:27:51","slug":"die-toedliche-zurueckhaltung-gegenueber-den-protesten-in-iran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/?p=1001","title":{"rendered":"Die t\u00f6dliche Zur\u00fcckhaltung gegen\u00fcber den Protesten in Iran"},"content":{"rendered":"<h6 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\"><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/images\/2011\/i\/ir-protest-22-26.png\" \/>Die Revolution in Iran findet in deutschen Leitmedien noch immer nicht genug Beachtung. Der Kanzler twittert handzahm, statt zu handeln. Dabei w\u00fcrde mehr internationale Aufmerksamkeit Leben retten.<\/span><\/h6>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #808080;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">09.11.2022,<\/span><span style=\"color: #000000;\">SPIGEL<\/span>&#8211; <span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Eine Kolumne von Sascha Lobo- <\/span><\/span><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Sonntag, der 6. November 2022, \u00fcber 50 Tage nach Beginn der iranischen Proteste, die man inzwischen Revolution nennen muss. Eine gro\u00dfe Gruppe iranischer Parlamentarier hat etwas Ungeheuerliches gefordert: Der Staat m\u00f6ge den Demonstrierenden mit aller H\u00e4rte begegnen und in bestimmten F\u00e4llen m\u00f6glichst mit der Todesstrafe. Unabh\u00e4ngige Fachleute sch\u00e4tzen die Zahl der Inhaftierten, der Angeklagten auf \u00fcber 14.000 ein, zumeist junge und sehr junge Leute, sehr viele Frauen darunter.<\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Der infame Appell aus dem Kreis des Parlaments, jenem scheindemokratischen Feigenblatt der islamistischen Diktatur, w\u00fcrde bedeuten: Etliche junge Menschen k\u00f6nnten ermordet werden, sicher nicht alle 14.000; aber es ist davon auszugehen, dass das Regime nicht auf das abschreckende Instrument der Hinrichtung verzichten wird. Und das nur, weil die Menschen gegen ein terroristisches, antisemitisches, islamistisches, Frauen und Homosexuelle hassendes, ultramenschenfeindliches Horrorregime demonstriert haben, das ihnen ihr Leben raubt, jeden Tag aufs Neue. Selbst wenn dieser Appell von den Gerichten nicht umgesetzt wird, ist schon l\u00e4nger klar, dass die iranische Justiz nicht z\u00f6gern d\u00fcrfte, Demonstranten hinzurichten.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Man sollte meinen, dass solch extremistische Hinrichtungsw\u00fcnsche von Abgeordneten gro\u00dfe Wellen schlagen. Stattdessen ergibt die \u00dcberpr\u00fcfung am Montagnachmittag irritierendes: Auf der Startseite der \u00bbS\u00fcddeutschen Zeitung\u00ab taucht das Wort Iran ebenso wie auf der Startseite des SPIEGEL nicht auf. Kein Iran, nirgends. Genau wie auf faz.net, auf tagesschau.de, auf bild.de und auf der Seite der \u00bbRheinischen Post\u00ab. Der \u00bbTagesspiegel\u00ab hat einen Artikel zu Iran auf der Startseite (hinter der Paywall), allerdings deshalb, weil er von so vielen Menschen gelesen wurde, dass er in der Kategorie \u00bbbeliebt auf Tagesspiegel+\u00ab auftaucht. Zwar nur eine digitale Momentaufnahme und dennoch ein Sinnbild.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Auf welt.de kommt \u00bbIran\u00ab einmal vor \u2013 in einem Artikel \u00fcber iranische Waffenlieferungen an Russland. Auf der Startseite der \u00bbZeit\u00ab kommt \u00bbIran\u00ab sogar zweimal vor. Einmal als verlinktes Schlagwort in einer Subnavigation ohne weiteren Kontext und einmal, weil ein iranischer Islamist Hamburg verlassen hat.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Man kann es nicht anders sagen: Die iranische Revolution der Frauen, der jungen Menschen findet in deutschen Leitmedien noch immer nicht ausreichend statt. Wie als Symptom betr\u00e4gt die Gesamtzahl der SPIEGEL-Titelbilder zum Thema ebenfalls: null. Ein Themenschwerpunkt stand Ende Oktober lediglich links oben in der Ecke, als sich das Titelbild dem britischen Regierungschaos widmete. Automatisch ergibt sich die Frage: warum? Es ist eine Frage, die die iranische Diaspora traurig, w\u00fctend, fassungslos macht. Zu Recht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Wenn man sich mit Menschen der verschiedenen iranischen Communitys in Deutschland unterh\u00e4lt, dann ist da zun\u00e4chst \u2013 ein enormes Feuer, im allerbesten Sinn. Das hat einen konkreten und bitteren Grund. Es gibt praktisch niemanden, der nicht sp\u00fcrt und wei\u00df, dass es in Iran im Moment um buchst\u00e4blich alles geht.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Die iranische Community wei\u00df, worum es geht<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Rund 300.000 Iran-st\u00e4mmige Menschen leben in Deutschland, und sie sind laut und hervorragend vernetzt. Der Parteichef der Gr\u00fcnen Omid Nouripour geh\u00f6rt dazu und der Generalsekret\u00e4r der FDP, Bijan Djir-Sarai, beides Regierungsparteien. Dazu kommt eine Reihe prominenter Personen mit gro\u00dfer Reichweite: die Social-Media-Kulturaktivistin und B\u00fchnenk\u00fcnstlerin Enissa Amani etwa, der Conferencier und Moderator Michel Abdollahi, die preisgekr\u00f6nte Journalistin und Autorin Natalie Amiri, der Schriftsteller und Friedenspreistr\u00e4ger Navid Kermani, die Rapperin und Genussmittelunternehmerin Shirin David, die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Yasmin Fahimi und viele, viele mehr.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Das w\u00e4ren f\u00fcr einen medialen Aufregungssturm eigentlich perfekte Voraussetzungen, und durch die gute Vernetzung der iranischen Community in Deutschland wurden diese sogar noch einmal verbessert. Die Entertainer Joko Winterscheid und Klaas Heufer-Umlauf haben in einer spektakul\u00e4ren Aktion ihre Instagram-Accounts \u00bbf\u00fcr immer\u00ab zwei iranischen Aktivistinnen geschenkt, eine Vielzahl von Aufmerksamkeitswellen rollte und rollt durch die deutschsprachigen sozialen Medien.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Aber trotzdem bleibt die Berichterstattung der Leitmedien f\u00fcr die Gr\u00f6\u00dfe und die Weltrelevanz der Proteste meist merkw\u00fcrdig blass und schmal. Insgesamt bleibt der Eindruck, dass eine Handvoll meist deutsch-iranischer Expert*innen die \u00d6ffentlichkeit umfassender, besser und sachkundiger informiert als es die deutschen Leitmedien tun, vor allem (ausgerechnet) auf Twitter und auch auf Instagram, darunter @shourahashemi<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">, @natalieamiri , @gildasahebi<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Revolution in Iran findet in deutschen Leitmedien noch immer nicht genug Beachtung. Der Kanzler twittert handzahm, statt zu handeln. 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