{"id":103,"date":"2014-04-18T15:49:23","date_gmt":"2014-04-18T13:49:23","guid":{"rendered":"http:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php\/2014\/04\/18\/exekutiert-iran-ein-opfer-sexueller-gewalt\/"},"modified":"2014-04-18T15:49:23","modified_gmt":"2014-04-18T13:49:23","slug":"exekutiert-iran-ein-opfer-sexueller-gewalt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/?p=103","title":{"rendered":"Exekutiert Iran ein Opfer sexueller Gewalt?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">16. April 2014 -ZeitOnline- von\u00a0Martin Gehlen: Eine junge Iranerin erstach einen Mann, der versuchte, sie zu vergewaltigen. Seit sechs Jahren sitzt sie im Gef\u00e4ngnis, ist zum Tode verurteilt. Nun regt sich Widerstand.\u00a0 Ihr Schicksal erregt weltweit Aufsehen: Seit 2007 sitzt die 26-j\u00e4hrige Iranerin Reyhaneh Jabbari im ber\u00fcchtigten Evin Gef\u00e4ngnis von Teheran. Der jungen Frau droht die Todesstrafe wegen angeblichen Mordes an Morteza Abdolali Sarbandi, einem Arzt und Ex-Mitarbeiter des Geheimdienstministeriums.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Woche sollte Jabbari hingerichtet werden, eine Entscheidung, die die iranische Justiz jedoch angesichts des internationalen Drucks auf unbestimmte Zeit verschob. Anfang der Woche hatte sich sogar die UN-Menschenrechtskommission eingeschaltet: Sie forderte eine Annullierung der Todesstrafe, eine Neuauflage des Prozesses und erkl\u00e4rte mit Verweis auf &#8220;zuverl\u00e4ssige Quellen&#8221;, die Verurteilte habe aus Notwehr gehandelt.\u00a0 <br \/>Nach Angaben von Reyhaneh Jabbari h\u00f6rte der get\u00f6tete Mediziner seinerzeit zuf\u00e4llig in einem Caf\u00e9 ein Telefongespr\u00e4ch zwischen der damals 19-j\u00e4hrigen Designerin und einem Kunden und sprach sie an. Er gab vor, sich bei der Inneneinrichtung seiner Praxisr\u00e4ume beraten lassen zu wollen. Am Nachmittag des 7. Juli 2007 verabredeten sich beide zu einer ersten Besichtigung. In den R\u00e4umen jedoch habe der Mann, der wesentlich \u00e4lter war als sein Opfer, sie sofort sexuell bedr\u00e4ngt und zu vergewaltigen versucht. In Panik habe sie ihr Taschenmesser gez\u00fcckt und dem Mann in den R\u00fccken gestochen, gab die Angeklagte sp\u00e4ter zu Protokoll.<br \/>Anzeige<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend sei sie ins Freie gelaufen und habe einen Krankenwagen alarmiert. Als die Sanit\u00e4ter eintrafen, war ihr Peiniger bereits verblutet. Am Tatort fand die Polizei Kondome und ein Glas Saft, in das der Get\u00f6tete ein Beruhigungsmittel einger\u00fchrt hatte.<br \/>Gest\u00e4ndnis unter Druck?<br \/>Der Strafprozess im Jahr 2009 verlief nach Einsch\u00e4tzung der UN-Menschenrechtler unfair und einseitig, offenbar weil der Get\u00f6tete ein ehemaliger Mitarbeiter des Geheimdienstes war. Das Gest\u00e4ndnis der 26-J\u00e4hrigen sei unter starkem Druck, vielleicht auch unter Folter erpresst worden. Auch habe das Gericht &#8220;eminent wichtige&#8221; Beweismittel offenbar nicht in seinem Urteil ber\u00fccksichtigt \u2013 etwa das Saftglas mit dem Tranquilizer. Falls dies stimme, &#8220;k\u00f6nnte Frau Jabbari gleich in zweifacher Hinsicht zum Opfer geworden sein \u2013 einmal durch den Angreifer und dann durch das Justizsystem, was Opfer eigentlich sch\u00fctzen soll gegen sexuelle und k\u00f6rperliche Gewalt&#8221;, hei\u00dft es in dem UN-Memorandum.<br \/>Der Aufschub der Hinrichtung k\u00f6nnte aber auch bedeuten, dass hinter den Kulissen Gespr\u00e4che zwischen der Familie der Verurteilten und der Familie des Get\u00f6teten stattfinden, um die Todesstrafe abzuwenden. Denn im Scharia-Strafrecht des Iran verankert ist die aus vorislamischem Stammesrecht \u00fcbernommene Praxis der Blutrache, Qisas genannt. Danach darf eine vors\u00e4tzliche K\u00f6rperverletzung oder ein Mord ger\u00e4cht werden durch eine gleichartige Verwundung beziehungsweise durch die T\u00f6tung des T\u00e4ters. Die Familie des Get\u00f6teten kann allerdings auch ein angemessenes Blutgeld akzeptieren \u2013 oder ganz auf Wiedergutmachung verzichten und den T\u00e4ter oder die T\u00e4terin begnadigen. So appellierte der iranische Oscar-Preistr\u00e4ger von 2011, Asghar Farhadi, zusammen mit zahlreichen K\u00fcnstlern und Musikern an die Frau und die drei Kinder des Ex-Geheimdienstlers, Reyhaneh Jabbari zu begnadigen. &#8220;Wenn ihr sie begnadigt, will ich diesen Tag zum Tag der Gnade ausrufen&#8221;, schrieb der weltber\u00fchmte Regisseur in seinem offenen Brief.<br \/>Iran war im Jahr 2013 nach China das Land mit den meisten Exekutionen weltweit, eine Praxis, die sich auch nach der Wahl des gem\u00e4\u00dfigten Pr\u00e4sidenten Hassan Rowhani im letzten Juni nicht ge\u00e4ndert hat. Seit Anfang 2014 wurden nach UN-Angaben bereits mehr als 170 Iraner hingerichtet, darunter mindestens zwei Frauen. Auff\u00e4llig zugenommen hat auch die Zahl \u00f6ffentlicher Exekutionen, die jedes Mal abertausende Schaulustige anziehen.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">16. April 2014 -ZeitOnline- von\u00a0Martin Gehlen: Eine junge Iranerin erstach einen Mann, der versuchte, sie zu vergewaltigen. Seit sechs Jahren sitzt sie im Gef\u00e4ngnis, ist zum Tode verurteilt. Nun regt sich Widerstand.\u00a0 Ihr Schicksal erregt weltweit Aufsehen: Seit 2007 sitzt die 26-j\u00e4hrige Iranerin Reyhaneh Jabbari im ber\u00fcchtigten Evin Gef\u00e4ngnis von Teheran. 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