{"id":134,"date":"2014-06-04T14:19:13","date_gmt":"2014-06-04T12:19:13","guid":{"rendered":"http:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php\/2014\/06\/04\/iran-25-jahre-nach-dem-tod-khomeinis\/"},"modified":"2014-06-04T14:19:13","modified_gmt":"2014-06-04T12:19:13","slug":"iran-25-jahre-nach-dem-tod-khomeinis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/?p=134","title":{"rendered":"Iran: 25 Jahre nach dem Tod Khomeinis"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"> \tDeutschlandfunk -03-06-2014 &#8211;&nbsp; Von Reinhard Baumgarten:&nbsp; Ayatollah Ruhollah Musavi Khomeini war ein Leben lang Oppositioneller, mit 76 gelang ihm der Umsturz: Ein breites B&uuml;ndnis unter seiner F&uuml;hrung entriss Schah Reza Pahlevi die Macht in Persien. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft erf&uuml;llte sich f&uuml;r viele im Iran allerdings nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tIran Ende der 70er Jahre. Ein Land im Umbruch. Ein Volk in Aufruhr gegen einen autokratischen Herrscher. Schah Mohammed Reza Pahlevi will den Iran zur modernen F&uuml;hrungsmacht im Nahen Osten machen. Einsam trifft der Monarch Entscheidungen. Wer widerspricht, wird verdammt, verfolgt, verurteilt. Die Unterdr&uuml;ckung wird zum N&auml;hrboden einer wachsenden Liebe des iranischen Volkes &ndash; der Freiheitsliebe. Ende 1978 ist der Iran reif f&uuml;r die Revolution. Liberale, Linke, B&uuml;rgerliche, Konservative &ndash; alle hat der Schah mithilfe seines brutalen Geheimdienstes Savak gegen sich aufgebracht.<br \/> \t&quot;Ob wir es m&ouml;gen oder nicht, die Kleriker haben die Revolution angef&uuml;hrt. An der Spitze der Kleriker war ein 76-j&auml;hriger Ayatollah.&quot;<br \/> \tSadegh Zibakalam ist heute Politikwissenschaftler an der Universit&auml;t Teheran. Damals sa&szlig; er im ber&uuml;chtigten Evin-Gef&auml;ngnis. Er war jung, gl&auml;ubig, radikal. Er wurde erniedrigt und gefoltert. Denn er glaubte an eine gerechte Ordnung auf der Grundlage islamischer Normen. Und er glaubte an den 76-j&auml;hrigen Ayatollah.<br \/> \t&quot;Die Menschen haben den Schah abgelehnt, weil sie Pressefreiheit wollten und die Herrschaft der Gesetze. Sie wollten Gleichheit zwischen Mann und Frau, Rechenschaftspflicht, freie Wahlen, eine freie Presse. Sie wollten die Gef&auml;ngnisse einrei&szlig;en. Sie wollten ein Land ohne politische Gefangene und mit Meinungsfreiheit. Das waren die Gr&uuml;nde f&uuml;r die Revolution.&quot;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<strong>Jahrzehnte in der Opposition<\/strong><br \/> \tRuhollah Musavi Khomeini wird 1902 in der Kleinstadt Khomein als Sohn eines Klerikers geboren. Mit 16 beginnt er eine Ausbildung zum Geistlichen. Mit 34 wird er Ayatollah. Fr&uuml;h schon geht Khomeini auf Konfrontationskurs zum herrschenden Schah-Regime, dem er jegliche Legitimit&auml;t abspricht. Er will einen islamischen Staat nach seinen Vorstellungen, nach seinem religi&ouml;sen Verst&auml;ndnis. 1963 ruft er in der Predigerstadt Ghom zum Aufstand auf. Khomeini wird verhaftet, zum Tode verurteilt, begnadigt und in die T&uuml;rkei abgeschoben. Von dort darf er in die irakische Stadt Nadschaf gehen und wieder als Geistlicher wirken. Von dort opponiert er weiter gegen die Herrschaft in Teheran.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t1978 erzwingt der Schah die Abschiebung Khomeinis nach Frankreich und erm&ouml;glicht ihm damit den Kontakt zur Weltpresse. Der Ayatollah wird binnen Monaten zur Leitfigur der revolution&auml;ren Bewegung im Iran.<br \/> \t&quot;Ayatollah Khomeini war praktisch der F&uuml;hrer der gesamten Opposition. Er war ein nationaler F&uuml;hrer: f&uuml;r die Religi&ouml;sen, f&uuml;r die Marxisten, die von seinen antiimperialistischen Einstellungen angezogen wurden, f&uuml;r S&auml;kulare und Liberale, wegen seiner antidiktatorischen Haltung gegen den Schah.&quot;<br \/> \tKhomeini sei sehr ehrlich gewesen, er habe seine Ansichten nie verschleiert, urteilt Shahla Lahiji.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDie 72-J&auml;hrige gr&uuml;ndet 1985 als erste Verlegerin Irans den renommierten Roshangar\u0101n-Verlag, den sie bis heute leitet.<br \/> \t&quot;Er hat in seinen B&uuml;chern immer deutlich geschrieben, woran er glaubte. Es waren unsere Intellektuellen, die es nicht wahrhaben wollten. Sie bildeten sich ein, die Geistlichkeit werde von ihren Zielen abr&uuml;cken, das moderne Justizwesen abschaffen und die Frauenrechte einschr&auml;nken. Khomeini hatte aber in all seinen Reden genau darauf immer wieder hingewiesen.&quot;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t<img decoding=\"async\" alt=\"Ayatollah Khomeini gibt kurz nach seiner R\u00fcckkehr in den Iran 1979 in Teheran eine Pressekonferenz. (AP Archiv)\" class=\"caption\" src=\"images\/2011\/k\/kh-2.jpg\" style=\"float: left; width: 120px; height: 160px;\" title=\"Ayatollah Khomeini gibt kurz nach seiner R\u00fcckkehr in den Iran 1979 in Teheran eine Pressekonferenz. (AP Archiv)\" \/>Am 1. Februar 1979 hebt um 1.15 Uhr in Paris eine Boeing 747 Richtung Teheran ab. An Bord sind Ayatollah Khomeini, 50 Vertraute des Geistlichen sowie 150 Journalisten der Weltpresse.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tF&uuml;r den Iran mit seiner mehr als 2.500-j&auml;hrigen Kultur beginnt mit der Landung Khomeinis in Teheran eine neue Zeit, eine neue Ordnung, eine neue Geschichte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tWohin wird Khomeini das Land f&uuml;hren, und was wird aus der ersehnten Freiheit, fragen sich unz&auml;hlige Iraner an jenem 1. Februar 1979.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tEine erste Antwort gibt der 76-j&auml;hrige Ayatollah wenige Stunden nach seiner Landung. Auf dem Friedhof Beheshte Zahra im S&uuml;den Teherans greift er die letzte noch vom Schah ernannte Regierung an.<br \/> \t&quot;Ich schlage dieser Regierung ins Gesicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \t&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tIch bestimme, wer regiert. Mit der Unterst&uuml;tzung des Volkes bestimme ich, wer die Regierung bildet. Mit der Zustimmung des Volkes bestimme ich!&quot;<br \/> \tNach dieser Rede h&auml;lt sich Regierungschef Shapour Bahtiar nur noch wenige Tage. Khomeini beauftragt Mehdi B\u0101zarg\u0101n mit den Regierungsgesch&auml;ften. Kurz darauf bringt die neue F&uuml;hrung des Landes die erste Verhaftungswelle ins Rollen. F&uuml;hrende Milit&auml;rs, Geheimdienstler und Politiker werden festgenommen und hingerichtet. Viele Verhaftungen und Hinrichtungen von tats&auml;chlichen und vermeintlichen Gegnern der am 1. April 1979 ausgerufenen Islamischen Republik Iran werden folgen.<br \/> \tNeue Herrschaft<br \/> \tKritik an der rigiden Regierungspolitik wird nicht nur im Ausland laut. Hunderttausende Frauen gehen Anfang M&auml;rz &#39;79 auf die Stra&szlig;e, um f&uuml;r gleiche Rechte und gegen den Kopftuchzwang zu protestieren. Shahla Lahiji war dabei.<br \/> \t&quot;Am 8. M&auml;rz &ndash; also kurz nach der Revolution &#8211; als die Frauen demonstrierten, wurde die Parole gegen sie ausgegeben &quot;Y\u0101 rusari y\u0101 tusari &#8211; Kopftuch oder Kopfnuss&quot;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDie Linken haben sich damals komplett rausgehalten. Irgendwie sympathisierten sie mit den Fanatikern auf der Stra&szlig;e, oder sie weigerten sich eben, die Frauen zu unterst&uuml;tzen. Das f&uuml;hrte zur Niederschlagung der Frauenbewegung.&quot;<br \/> \tDie neuen Herrscher unter der F&uuml;hrung von Ayatollah Khomeini sichern sich Schritt f&uuml;r Schritt die Macht. Der anhaltende Streit, die bittere Konkurrenz und grassierende Missgunst unter den nicht-klerikalen Anti-Schah-Gruppen kommt ihnen dabei entscheidend zu Hilfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDie Geistlichen um ihren F&uuml;hrer Khomeini hingegen sind sich weitgehend einig und &uuml;bernehmen die Kontrolle im allm&auml;chtigen Revolutionsrat. Mittels der neugegr&uuml;ndeten Islamisch-Republikanischen Partei setzt Khomeini gegen den erbitterten Widerstand von Teilen der schiitischen Geistlichkeit das Regierungsprinzip des Vel\u0101yate Faqih durch &ndash; der Statthalterschaft des Rechtsgelehrten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDieses von Ayatollah Khomeini ausformulierte Prinzip schreibt die absolute F&uuml;hrerschaft der islamischen Geistlichkeit in Fragen des Milit&auml;rs, der Justiz, der Gesetzgebung, der Regierung und der Medien vor. Erster Mann im Staate mit nahezu uneingeschr&auml;nkter Macht wird Ayatollah Khomeini. Am 4. November &#39;79 &ndash; neun Monate nach dem Umsturz &ndash; gibt es ein Ereignis, das &uuml;ber Jahrzehnte die ideologische und politischen Ausrichtung der Islamischen Republik bestimmen wird: den systematisch gepflegten Anti-Amerikanismus. An diesem 4. November st&uuml;rmen gut 400 radikale Studenten die US-Botschaft in Teheran und nehmen mehrere Dutzend US-Diplomaten in Geiselhaft. Sie wird 444 Tage dauern.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDie Revolution sei an diesem Tag gekapert worden, urteilt der Politikwissenschaftler Sadegh Zibakalam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDie Werte der Revolution seien ersetzt worden durch einen radikalen Anti-Amerikanismus.<br \/> \t&quot;Davor hat jeder von Meinungsfreiheit gesprochen, von Freiheit der Ideen. Aber nachdem das gekapert worden war, sprach jeder dar&uuml;ber, wie unterdr&uuml;ckte Menschen auf der ganzen Welt vertei&not;digt werden k&ouml;nnten, wie wir die Revolution exportieren sollen und den Weltkapitalismus herausfordern k&ouml;nnen.&quot;<br \/> \tSeit 1953 gibt es im Iran einen Groll auf die USA. Damals inszenierten US-Agenten einen Staatsstreich gegen den demokratisch gew&auml;hlten Regierungschef Mohammed Mossadegh. Washington verhilft Schah Mohammed Reza Pahlavi zur&uuml;ck an die Macht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDer Iran wird zum engsten Verb&uuml;ndeten der USA. Zehntausende amerikanischer Techniker, Milit&auml;r- und Sicherheitsberater helfen dem Iran, zur st&auml;rksten Regionalmacht im Nahen Osten zu werden. Und, so der Vorwurf vieler Menschen, die damals gegen den Schah sind, sie helfen dem Regime bei der Unterdr&uuml;ckung des iranischen Volkes.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDie Erst&uuml;rmung der US-Botschaft kommt deshalb nicht &uuml;berraschend.<br \/> \t&quot;Wir wissen genau, dass Ayatollah Khomeini das nicht ins Werk gesetzt hat. Das war eine Str&ouml;mung, die um einiges st&auml;rker war als Ayatollah Khomeini.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tWeniger als ein Monat nach der Revolution sagte er, ich m&ouml;chte nach Ghom gehen. Regierungschef Bazargan und Au&szlig;enminister Yazdi waren dagegen. Alle waren dagegen. Nicht weil sie Ayatollah Khomeini liebten und ihn in Teheran haben wollten, sondern weil es Organisationen, Gruppen und Personen gab, die der Zentralregierung nicht gehorchen w&uuml;rden.&quot;<br \/> \tDer Antiamerikanismus schwei&szlig;t zusammen<br \/> \tKhomeini kehrt nach gut drei Monaten von Ghom in die Hauptstadt zur&uuml;ck. Der Iran droht damals in einen offenen B&uuml;rgerkrieg abzugleiten. Linke Aktivisten und Freisch&auml;rler versuchen in vielen Teilen des Landes, das Volk gegen die Herrschenden aufzubringen. Separatisten in Kurdistan, Belutschistan und Khuzistan begehren gegen die Zentralregierung auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tT&auml;glich ereignen sich Scharm&uuml;tzel, Bombenanschl&auml;ge und &Uuml;berf&auml;lle. Der Sturm auf die US-Botschaft bietet dem Revolutionsf&uuml;hrer die Gelegenheit, mehrere Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.<br \/> \t&quot;Als er in die antiamerikanische Richtung ging, folgten ihm der Klerus, die Studenten, all seine Anh&auml;nger. Das ganze Land wurde auf den Kopf gestellt und wurde antiamerikanisch.&quot;<br \/> \tEs gibt eine neue Verhaftungswelle, Hinrichtungen, S&auml;uberungen. Die Revolution nimmt einen unvorhergesehenen Verlauf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tAuch Ayatollah Khomeini wird von der Dynamik der Entwicklung &uuml;berrascht. Der von der iranischen F&uuml;hrung nach der Botschaftsbesetzung mit Verve vertretene Anti-Amerikanismus wird zum identit&auml;tsstiftenden Faktor.<br \/> \t&quot;Irgendwie wurde Anti-Amerikanismus, Anti-West, Anti-Europa usw. zur wichtigsten Leitidee der islamischen Revolution. Wenn du nichts &uuml;ber die iranische Vergangenheit gewusst h&auml;ttest und wenn du erst nach der Besetzung der amerikanischen Botschaft gekommen w&auml;rst, dann h&auml;ttest du geglaubt, die Iraner h&auml;tten sich gegen den Schah erhoben wegen des Anti-Amerikanismus. Du h&auml;ttest nicht geglaubt, dass diese Leute gegen den Schah rebelliert haben, weil das Schah-Regime ein Polizei-Staat war.&quot;<\/p>\n<p> \tAntiamerikanismus hielt das Land zusammen &#8211; heute gibt es, vor allem f&uuml;r die Jugend, wichtigere Themen. (picture alliance \/ dpa \/ epa Taherkenareh)<br \/> \t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" align=\"right\" alt=\"Antiamerikanismus hielt das Land zusammen - heute gibt es, vor allem f\u00fcr die Jugend, wichtigere Themen. (picture alliance \/ dpa \/ epa Taherkenareh)\" class=\"caption\" height=\"150\" src=\"images\/2011\/k\/kh-3.jpg\" title=\"Antiamerikanismus hielt das Land zusammen - heute gibt es, vor allem f\u00fcr die Jugend, wichtigere Themen. (picture alliance \/ dpa \/ epa Taherkenareh)\" width=\"150\" \/>Teheran hofft, durch die massive Konfrontationspolitik gegen&uuml;ber Washington bei den Bev&ouml;lkerungen der arabischen Nachbarstaaten zu punkten und mit der eigenen Revolution die Blaupause f&uuml;r Erhebungen in anderen muslimischen Staaten geliefert zu haben.<br \/> \t&quot;Die iranischen F&uuml;hrer brauchen den Anti-Amerikanismus, um f&uuml;r sich selbst eine historische Verpflichtung und Legitimit&auml;t zu schaffen. Das nenne ich Hijacking.&quot;<br \/> \tDer anti-amerikanische Furor hat sich in weiten Teilen der iranischen Bev&ouml;lkerung im Laufe der vergangenen 35 Jahre deutlich beruhigt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tMarg bar \u0100mrika &ndash; Tod f&uuml;r Amerika &#8211; ist nur noch selten zu h&ouml;ren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tZu eng sind die Kontakte und verwandtschaftlichen Verbindungen zwischen Teilen der iranischen Bev&ouml;lkerung und den USA.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tRund drei Millionen Menschen iranischer Herkunft haben nach der Revolution ihr Land in Richtung USA verlassen. F&uuml;r die F&uuml;hrung des Landes ist die Feindschaft mit dem Shait\u0101ne bozorg &ndash; dem Gro&szlig;en Satan &ndash; aber nach wie vor wichtig.<br \/> \t&quot;Feind USA&quot;<br \/> \tDas Volk m&uuml;sse den taktlosen &Auml;u&szlig;erungen amerikanischer Politiker gut zuh&ouml;ren und sie genau beobachten, beschw&ouml;rt Ayatollah Ali Khamenei. Er ist vor 25 Jahren zum Nachfolger von Ayatollah Khomeini gew&auml;hlt worden.<br \/> \t&quot;Das Volk muss den Feind erkennen. Manche wollen das Volk von der Feindseligkeit dieses Feindes ablenken. Nein, schaut genau hin. Dann seht ihr den Feind und seine Doppelz&uuml;ngigkeit.&quot;<br \/> \tDerlei Worte spielten heute gerade f&uuml;r junge Iraner eine immer geringere Rolle, urteilt der Politikwissenschaftler Sadegh Zibakalam.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tEr war ein Aktivist der ersten Stunde. Er hat einmal an die hehren Ziele der Revolution von 1979 geglaubt.<br \/> \t&quot;Ich habe drei T&ouml;chter. Die zwei j&uuml;ngsten fragen mich immer: Papa, was hast du dir gedacht, als ihr damals diese Revolution gemacht habt? Sie sagen nicht, unsere Revolution, sie sagen, eure Revolution. Mit anderen Worten, meine T&ouml;chter sagen, sorry, aber wir sind nicht Teil dieser Revolution, die ihr vor 35 Jahren gemacht habt. So ist das mehr oder weniger in jeder Familie.&quot;<br \/> \tBraindrain und Drogen<br \/> \tViele iranischen Studenten, K&uuml;nstler, Wissenschaftler und Ingenieure tr&auml;umen davon, in den USA oder in Europa lernen, leben und arbeiten zu k&ouml;nnen. Der 21-j&auml;hrige \u0100rash studiert in Teheran Maschinenbau.<br \/> \t&quot;F&uuml;r mein Aufbaustudium m&ouml;chte ich ins Ausland gehen, wo&#39;s kulturell und sozial besser ist als hier im Iran &#8211; die Art und Weise, wie die Leute denken, die Qualit&auml;t der Universit&auml;ten und auch der Wohlstand sind wichtig. Das vermissen wir hier im Iran.&quot;<br \/> \tDie Islamische Republik Iran hat eine der h&ouml;chsten Akademiker-Raten aller L&auml;nder im Nahen Osten. Gleichzeitig hat der Iran laut einer Studie des Internationalen W&auml;hrungsfonds IWF die h&ouml;chste Abwanderungsrate gut ausgebildeter junger Menschen unter 91 als Entwicklungsl&auml;nder gef&uuml;hrten Staaten. Der sogenannte Braindrain &ndash; oder Wissensabfluss &ndash; ist zu einem ernsthaften Problem f&uuml;r die iranische Gesellschaft und Wirtschaft geworden. Reza Faraji Dana, Minister f&uuml;r Forschung und Technologie, nannte k&uuml;rzlich die Zahl von j&auml;hrlich 150.000 gut ausgebildeten jungen Iranern, die ihrem Heimatland den R&uuml;cken kehren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tAls einer der Hauptgr&uuml;nde f&uuml;r die anhaltende Auswanderung gut ausgebildeter Iraner nennt die IWF-Studie die hohe Arbeitslosigkeit unter jungen Leuten. Sie liegt inoffiziellen Zahlen zufolge bei rund 25 Prozent. Tendenz steigend. Iran 35 Jahre nach der Revolution, 25 Jahre nach dem Tod von Revolutionsf&uuml;hrer Ayatollah Khomeini &ndash; wohin steuert das Land, was ist aus dem Nachlass Khomeinis geworden? Misswirtschaft, internationale Sanktionen, Korruption, Vetternwirtschaft sowie die Abwanderung von Wissen und Kapital haben das Land in eine schwere Wirtschaftskrise gef&uuml;hrt. Die Inflation liegt bei gut 40 Prozent; die Arbeitslosigkeit steigt; das Geld verliert rasch an Kaufkraft; die wirtschaftliche Produktivit&auml;t sinkt. Gleichzeitig nehmen die sozialen Probleme des Landes zu. Pr&auml;sident Rohani, seit August vergangenen Jahres im Amt, warnt:<br \/> \t&quot;In unserer heutigen Gesellschaft sind die sozialen Probleme die eigentlichen Gefahren: von Armut &uuml;ber Prostitution bis hin zum allgemeinen Misstrauen in der Gesellschaft und der Korruption in der Wirtschaft.&quot;<br \/> \tOffiziellen Statistiken zufolge wurden 2011 rund 500 Tonnen Drogen beschlagnahmt, gab es mehr als 4.000 Drogentote, wurden 26.000 Menschen wegen Drogendelikten festgenommen und etwa 300 hingerichtet. Offiziell ist die Rede von rund zwei Millionen Drogenabh&auml;ngigen. Inoffiziell sprechen Experten von bis zu acht Millionen Drogenkonsumenten im Iran.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tDer neue Pr&auml;sident spricht von M&auml;&szlig;igung und Vers&ouml;hnung, von gesellschaftlichem Ausgleich und wirtschaftlichem Aufschwung. Viele Taten konnte der 65-j&auml;hrige Geistliche bislang seinen Worten nicht folgen lassen. Zu gro&szlig; ist der Widerstand etablierter einflussreicher Gruppen, die gro&szlig;e Vorteile aus der derzeitigen isolierten Lage Irans ziehen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"> \tBei seinem Amtseid wandte sich Hassan Rohani Hilfe suchend an seinen Sch&ouml;pfer, damit er nicht wie andere Pr&auml;sidenten vor ihm am Widerstand ewig gestriger Krisengewinnler scheitert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"> \tDeutschlandfunk -03-06-2014 &#8211;&nbsp; Von Reinhard Baumgarten:&nbsp; Ayatollah Ruhollah Musavi Khomeini war ein Leben lang Oppositioneller, mit 76 gelang ihm der Umsturz: Ein breites B&uuml;ndnis unter seiner F&uuml;hrung entriss Schah Reza Pahlevi die Macht in Persien. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft erf&uuml;llte sich f&uuml;r viele im Iran allerdings nicht.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[151,152],"class_list":["post-134","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-ayatollah-ruhollah-musavi-khomeini","tag-reinhard-baumgarten"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/134","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=134"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/134\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=134"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=134"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=134"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}