{"id":201,"date":"2015-05-23T14:41:24","date_gmt":"2015-05-23T12:41:24","guid":{"rendered":"http:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php\/2015\/05\/23\/2015-05-20\/"},"modified":"2015-05-23T14:41:24","modified_gmt":"2015-05-23T12:41:24","slug":"2015-05-20","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/?p=201","title":{"rendered":"&#8220;Wir machen aus jedem Verbot einfach einen neuen sexy Look&#8221;"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">20.05.2015 -rnz.de- Von Farshid Motahari &#8211; Teheran. Der Chef des iranischen Friseurverbands wollte eigentlich nur die neuen Tarife bekannt geben. Da es den Reportern aber zu langweilig wurde, fragten sie ihn nach den Vorschriften f\u00fcr westliche Haarschnitte. Da musste Mostafa Gowahi wieder brav antworten, dass dies nat\u00fcrlich absolut verboten sei. Friseuren, die &#8220;satanische Haarschnitte&#8221; schneiden, werde die Lizenz entzogen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8220;Ach, der redet viel, wenn der Tag lang ist&#8221;, sagt Hamid, Inhaber eines Friseurladens in Nordteheran. Der Kunde sagt, was er will, bezahlt daf\u00fcr gutes Geld und bekommt, was er w\u00fcnscht. &#8220;Ich kann ja einem Teenager nicht einen Opa-Look aufdr\u00e4ngen.&#8221; Er sei ja schlie\u00dflich nicht der Vater, sondern nur der Friseur. Das Verbot gebe es au\u00dferdem schon seit Jahren und werde genauso lange auch ignoriert.<br \/>An Verboten mangelt es in der islamischen Republik nicht. Das System bef\u00fcrchtet seit \u00fcber drei Jahrzehnten die &#8220;westliche Kulturinvasion&#8221;. Die k\u00f6nnte die Gesellschaft in die Sittenlosigkeit treiben. Besonders die Jugendlichen sollen islamisch aufwachsen und ihre nationale und religi\u00f6se Identit\u00e4t durch westliche Kriterien nicht verlieren.<br \/>In der Zwischenzeit aber glauben nicht mal mehr einige Kleriker im Land an diese langj\u00e4hrige Paranoia. &#8220;Man kann doch deswegen die Jugendlichen nicht einsperren&#8221;, sagt Pr\u00e4sident Hassan Ruhani. Man k\u00f6nne im Zeitalter des Internets und der Satellitensender niemanden mehr kontrollieren. Daher sollte man ihnen einfach vertrauen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" src=\"images\/2011\/i\/iran-unde-2.jpg\" border=\"0\" alt=\"\" \/><br \/>Am absurdesten ist das Verbot von sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter. Millionen von Iranern sind t\u00e4glich auf diesen beiden Seiten unterwegs. Dar\u00fcber hinaus hat fast die gesamte F\u00fchrungsriege des Landes Twitter- und Facebook-Accounts. Auch der Pr\u00e4sident und sogar der oberste religi\u00f6se F\u00fchrer. Verboten jedoch bleibt es trotzdem. &#8220;Bl\u00f6der geht es nicht&#8221;, sagt ein Internetcaf\u00e9-Betreiber in Teheran. Die Iraner, angeblich auch Ruhani selbst, umgehen das Verbot mit Tunneldiensten, sogenannte Virtual Private Network-Dienste (VPN), die in jedem Computerladen erh\u00e4ltlich sind.<br \/>Genauso absurd ist das Verbot von Satellitensch\u00fcsseln. Auf fast jedem Dach sind sie zu sehen, aber das Verbot wurde immer noch nicht aufgehoben. Mehrmals hat die Polizei in den letzten Jahrzehnten Sch\u00fcsseln gewaltsam entfernt. Die Aktionen haben aber nichts gebracht. &#8220;Bei mir haben sie die Sch\u00fcssel schon dreimal entfernt, und am selben Tag kam der Installateur mit einer neuen und besseren&#8221;, erz\u00e4hlt die 48-j\u00e4hrige Hausfrau Sudabeh.<br \/>Auch die strengen Vorschriften f\u00fcr unverheiratete Paare haben besonders Jugendliche nicht von Verabredungen abgehalten. In den nicht gerade billigen Coffeeshops der Hauptstadt trinken die P\u00e4rchen literweise Cappuccino und flirten hemmungslos. &#8220;Die Vorstellung der Herrschaften, dass nur Ehepaare hier stundenlang sitzen und sich bei teurem Kaffee unterhalten, zeigt erneut, dass Dummheit keine Grenzen hat&#8221;, sagt Resa, der einen Coffeeshop in Nordteheran unterh\u00e4lt.<br \/>Hollywood-Filme sind im Iran auch verboten. Aber auch die bekommt man als Raubkopie in fast jedem Basar. &#8220;Die ber\u00fchmten Filme haben wir hier sogar viel fr\u00fcher als in Europa&#8221;, erz\u00e4hlt ein DVD-H\u00e4ndler im Teheraner Tadschrisch Basar. Bei Preisen unter 50 Cent kaufen sich die Iraner an Wochenenden sogar zehn DVDs auf einmal, so der H\u00e4ndler. Genauso sei es mit verbotenen Popmusik-CDs, die noch einfacher zu kriegen sind und noch weniger kosten.<br \/>Genauso unwirksam war bis jetzt auch die strikte Kleiderordnung f\u00fcr Frauen. Die m\u00fcssen lange M\u00e4ntel und Schleier tragen, um K\u00f6rperkonturen und Haare vor fremden M\u00e4nnern zu verbergen. &#8220;Wir machen aus jedem Verbot einfach einen neuen sexy Look&#8221;, sagt Studentin Mina. In den letzten Jahren wurden die M\u00e4ntel immer k\u00fcrzer und enger. Auf den Kopf kommt dann ein kleiner Schleier, so sind die gef\u00f6hnten Haare und das Make-Up deutlich sichtbar.<br \/>Wie sch\u00e4dlich diese Verbote f\u00fcr Politiker sein k\u00f6nnen, hat sich bei der Pr\u00e4sidentschaftswahl 1997 gezeigt. Damals galt der konservative Ali-Akbar Nategh-Nuri als Favorit gegen\u00fcber Mohammed Chatami. Beide Kleriker waren politisch auf einer Linie, daher gab es keine wesentlichen Differenzen, die f\u00fcr die W\u00e4hler Priorit\u00e4t gehabt h\u00e4tten. Dann aber sprach sich Nategh-Nuri in einem Fernsehinterview f\u00fcr das Satellitenverbot aus. Chatami tat das nicht.F\u00fcr den Sieg Chatamis und seine bittere Niederlage hatte Nategh-Nuri auch Jahre sp\u00e4ter nur eine Erkl\u00e4rung: diese verdammten Satellitensch\u00fcsseln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">20.05.2015 -rnz.de- Von Farshid Motahari &#8211; Teheran. Der Chef des iranischen Friseurverbands wollte eigentlich nur die neuen Tarife bekannt geben. Da es den Reportern aber zu langweilig wurde, fragten sie ihn nach den Vorschriften f\u00fcr westliche Haarschnitte. Da musste Mostafa Gowahi wieder brav antworten, dass dies nat\u00fcrlich absolut verboten sei. 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