{"id":212,"date":"2015-06-11T15:26:47","date_gmt":"2015-06-11T13:26:47","guid":{"rendered":"http:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php\/2015\/06\/11\/friedensnobelpreis-traegerin\/"},"modified":"2018-03-02T19:28:55","modified_gmt":"2018-03-02T18:28:55","slug":"friedensnobelpreis-traegerin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/?p=212","title":{"rendered":"Die Iranische Friedensnobelpreis-Tr\u00e4gerin im Interview"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 510px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium\" src=\"http:\/\/iransos.com\/deutsch\/images\/2011\/s\/shirin-ebadi-srf.jpg\" width=\"500\" height=\"282\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Shirin Ebadi<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #888888;\">Mittwoch, 10. Juni 2015, SRF &#8211;<\/span> Auf ihrer Reportage im Iran will die \u00abRundschau\u00bb eine Menschenrechtsaktivistin treffen. Doch diese wird kurz vor dem Treffen vom Geheimdienst verhaftet. Daf\u00fcr kann SRF Friedensnobelpreis-Tr\u00e4gerin Shirin Ebadi in deren Exil in London treffen. Hier das exklusive Interview.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Shirin Ebadi drohen im Iran Gef\u00e4ngnis und Folter. Darum lebt die Friendensnobelpreis-Tr\u00e4gerin im Exil in London. Im Interview teilt sie die Sorge um ihre inhaftierten Freunde und erz\u00e4hlt \u00fcber die Missst\u00e4nde in ihrem Land. Sie spricht aber auch \u00fcber Hoffnung und zeigt die M\u00f6glichkeiten der Schweiz auf, der iranischen Regierung die Stirn zu bieten, ohne das Volk zu bestrafen.<br \/>\nSRF: Wie w\u00fcrden Sie die aktuelle Lage der Menschenrechte im Iran einordnen?<br \/>\nShirin Ebadi: Seit Pr\u00e4sident Rohani an der Macht ist, hat sich die Menschenrechtslage nicht verbessert. Tatsache ist: Die Lage hat sich verschlechtert. Diese Woche haben sie meine Kollegin verhaftet. Sie ist eine sehr bekannte Feministin, Narges Mohammadi. In den vergangenen zwei Monaten haben sie sechs sunnitische Kurden hingerichtet \u2013 nur wegen ihrer Glaubensrichtung. Das Ausmass der Hinrichtungen im Iran ist im letzten Jahr exponentiell gewachsen.<br \/>\nRohani hat versprochen, er w\u00fcrde w\u00e4hrend seiner Amtszeit den Weg f\u00fcr mehr B\u00fcrgerrechte ebnen. Wie erkl\u00e4ren Sie sich diese Entwicklung?<br \/>\nLaut der iranischen Verfassung liegt die Macht in den H\u00e4nden des F\u00fchrers. Die Macht des Pr\u00e4sidenten ist sehr eingeschr\u00e4nkt. Rohani wusste dies sehr genau, als er w\u00e4hrend seines Wahlkampfes all diese wundersch\u00f6nen, aber komplett leeren Versprechungen gemacht hat. Er versprach, er w\u00fcrde Herrn Moussavi und Herrn Kharroubi freilassen. Er versprach das Ende der Zensur und so weiter. Er wusste genau, dass seine Macht eingeschr\u00e4nkt ist, und trotzdem hat er all diese wundersch\u00f6nen, aber leeren Versprechungen gemacht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Verteidiger oder Vertreter der iranischen Regierung sagen, der Iran sei f\u00fcr den Westen immer der B\u00f6sewicht, dabei sei dies falsch, man m\u00fcsse mit dem Finger auch auf Saudi Arabien zeigen, weil auch sie die Menschenrechte missachten. Was sagen Sie zu dieser Logik?<br \/>\nJa, es stimmt, dass die Lage um die Menschenrechte in Saudi Arabien sogar schlimmer ist als im Iran. Und ja, das ist die westliche Doppelmoral. Aber andererseits ergeben zwei Falsche nicht einen Richtigen. Selbst wenn die Lage der Menschenrechte in Saudi Arabien oder auch in einem anderen Teil der Region noch schlechter ist als im Iran, rechtfertigt dies nicht die Haltung der iranischen Regierung gegen\u00fcber den Aktivisten.<br \/>\nWir sind eine Nation, die aus h\u00f6chst gebildeten Menschen besteht. Wir haben eine alte Zivilisation. Iraner k\u00f6nnen diese gewaltt\u00e4tige Regierung nicht l\u00e4nger tolerieren. Es gibt soziale Spannungen im Iran, die seit langem am Brodeln sind. Und um diese Spannungen zu verdecken, benutzt die iranische Regierung die Ausrede der Menschenrechtslage in Saudi Arabien und anderswo, die schlimmer ist als im Iran. Dazu kommt dass der Iran zahlreiche internationale Menschenrechtskonventionen unterzeichnet hat. Aber sie halten diese Konventionen nicht ein, obwohl sie sie unterzeichnet haben. Was wir also von der iranischen Regierung fordern: Wenn ihr unterschrieben habt, um Mitglied dieser Konventionen zu sein, wenn ihr diese akzeptiert habt, dann haltet sie auch ein.<br \/>\nViele L\u00e4nder, wie auch die Schweiz, sind daran interessiert Gesch\u00e4fte mit dem Iran zu machen. Was erwarten Sie von diesen L\u00e4ndern?<br \/>\nIch denke jedes Gesch\u00e4ft mit dem Iran ist gut, so lange es keine dubiosen Gesch\u00e4fte sind. Der Iran kann sich nicht isolieren, kann nicht eine Mauer um sich herum bauen und nicht mehr mit dem Rest der Welt interagieren. Gesch\u00e4fte sind gut, aber es sollten keine dubiosen Gesch\u00e4fte sein, es sollten keine Gesch\u00e4fte sein, die aus der Korruption entspringen. Und wo landet das Geld aus solchen Gesch\u00e4ften? Es landet im Ausland. Also bitte, akzeptiert kein dubioses Geld, weil die Korruption im Iran sehr weit verbreitet ist. Bitte verkauft dem Iran auch keine \u00dcberwachungsausr\u00fcstung, oder andere Ausr\u00fcstung die die Iranische Regierung dazu benutzt um gegen die Aufst\u00e4ndischen vorzugehen. Bei den Verhandlungen zu wirtschaftlichen Fragen und Gesch\u00e4ftsfragen bitte opfert nicht die Menschenrechtsprobleme.<br \/>\nDie stellvertretende Direktorin des Zentrums zur Verteidigung der Menschenrechte, Frau Mohammadi wurde am 5. Mai verhaftet. Wie besorgt sind Sie um ihr Wohl?<br \/>\nDie Situation von Narges macht mir grosse Sorgen. Ihr Mann Khabi Rahmani war auch 15 Jahre lang im Gef\u00e4ngnis. Nach den Wahlen im 2009 wurde er auch verhaftet. Aber er hat es geschafft, den Iran zu verlassen. Aber Narges wollte den Iran nicht verlassen. Sie wollte bleiben und ihre Arbeit f\u00fcr die Menschenrechte fortsetzen. Also blieben sie und ihre 8-j\u00e4hrigen Zwillinge im Iran. Narges wurde viele Male verhaftet. Das letzte Mal wurde sie brutal gefoltert und im schlimmsten iranischen Gef\u00e4ngnis platziert. Sie leidet an Muskelschwund und braucht dringen eine Behandlung. Aber diese wird ihr verweigert. Sie muss also so schnell wie m\u00f6glich freigelassen werden, wenn man auch die Situation mit ihren Zwillingen anschaut. Sie haben weder Vater noch Mutter, die nach ihnen schauen k\u00f6nnte. Also: Ja, ich bin sehr besorgt um ihre Situation.<br \/>\nIhr Mann wurde gefoltert, er musste \u00f6ffentlich sagen, dass Sie keine gute Frau sind und den Nobelpreis gar nicht verdient haben. Wenn Sie sehen was im Moment in Ihrem Land vor sich geht, unabh\u00e4ngig davon wer gerade Pr\u00e4sident ist, gab es da jemals einen Moment bei dem Sie dachten die ganze M\u00fche sei umsonst? Dass nichts sich jemals \u00e4ndern wird?<br \/>\nAls Menschenrechtsaktivistin darf man sich selber niemals erlauben, die Hoffnung zu verlieren oder jemals m\u00fcde zu werden. Und ich werde meine Arbeit weiterf\u00fchren im Wissen, dass meine Arbeit n\u00fctzlich war. 1980 kurz nach der Revolution hatte ich sehr wenige Anh\u00e4nger. Manchmal f\u00fchlte ich mich, als w\u00fcrde ich mit mir selbst reden im Spiegel. Aber jetzt \u2013 nach all diesen Jahren \u2013 sind die Menschenrechte im Iran zum Diskussionsthema Nummer eins geworden. Ich habe so viele Anh\u00e4nger und ich weiss, dass meine Arbeit nicht umsonst war. Als ich meine NGO gestartet habe, das Zentrum zur Verteidigung der Menschenrechte, waren wir die einzige NGO im Iran. Jetzt gibt es viele davon im Untergrund. Und auch ausserhalb des Irans gibt es viele davon. Das ist f\u00fcr mich ein Zeichen unseres Sieges.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Video Link:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">http:\/\/tp.srgssr.ch\/p\/inline?urn=urn%3Asrf%3Aais%3Avideo%3Ab767b873-5387-4fe6-8698-bc87b7b1bbc7&#038;autoplay=true&#038;legacy=true&#038;width=624&#038;height=351&#038;playerType=<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #888888;\">Mittwoch, 10. Juni 2015, SRF &#8211;<\/span> Auf ihrer Reportage im Iran will die \u00abRundschau\u00bb eine Menschenrechtsaktivistin treffen. Doch diese wird kurz vor dem Treffen vom Geheimdienst verhaftet. Daf\u00fcr kann SRF Friedensnobelpreis-Tr\u00e4gerin Shirin Ebadi in deren Exil in London treffen. 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