{"id":268,"date":"2017-09-18T16:06:40","date_gmt":"2017-09-18T14:06:40","guid":{"rendered":"http:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php\/2017\/09\/18\/einsicht-der-regierung-trotz-verbots\/"},"modified":"2018-02-27T01:27:38","modified_gmt":"2018-02-27T00:27:38","slug":"einsicht-der-regierung-trotz-verbots","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/?p=268","title":{"rendered":"Einsicht der Regierung trotz Verbots"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\"><span style=\"color: #888888;\">17 September, 2017<\/span><span style=\"color: #888888;\">&#8211;\u00a0ORF &#8211;<\/span>\u00a0Wer im Iran Alkohol trinkt, muss mit schwerwiegenden Strafen rechnen. Da Alkoholkonsum in dem streng muslimischen Land verboten ist, drohen dem \u201eT\u00e4ter\u201c Geldbu\u00dfen oder Peitschenhiebe &#8211; als Wiederholungstat sogar die Todesstrafe. Trotzdem steigt die Zahl der Alkoholiker. Informelle Selbsthilfegruppen machen deshalb Druck auf die Regierung, das gesellschaftliche Problem in den Griff zu bekommen &#8211; und das scheint Wirkung zu zeigen. Vorsichtig \u00f6ffnet sich der Iran hin zu staatlichen Therapiezentren f\u00fcr Alkoholkranke.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more--><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">atistiken zeigen, dass mindestens zehn Prozent der Iraner trotz des Verbots regelm\u00e4\u00dfig Alkohol konsumieren &#8211; und das, obwohl bei einem Vergehen mit hartem Urteil zu rechnen ist, berichtete k\u00fcrzlich die \u201eNew York Times\u201c.\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Zu m\u00f6glichen Strafen z\u00e4hlen Auspeitschungen, Geldbu\u00dfen, Freiheitsentzug und sogar die Todesstrafe, wenn es sich um eine Wiederholungstat handelt. Dennoch geh\u00f6rt f\u00fcr viele, vor allem in der oberen Mittelschicht, das Trinken zum Alltag. Iranische Medien hatten, ohne allerdings Zahlen zu nennen, berichtet, dass der Konsum sogar jenen von Russland oder Deutschland \u00fcbersteige.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Schmuggel aus dem Irak<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">In gr\u00f6\u00dferen St\u00e4dten wie Teheran gebe es viele illegale Bars, so die \u201eNYT\u201c. Iraner treffen sich gerne auf Dachterrassen und trinken Rotwein, Wodka oder Aragh Sagi, ein im Iran beliebtes Getr\u00e4nk, das aus 65 Prozent purem Ethanol besteht. F\u00fcr gew\u00f6hnlich wird es ganz einfach zu Hause produziert &#8211; wobei nicht nur der Konsum, sondern auch die Herstellung des Destillats gesetzwidrig ist.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">udem hat auch der Irak den Bedarf an Alkohol im Nachbarland f\u00fcr sich entdeckt. Literweise Bier, Wein und Spirituosen gelangen t\u00e4glich \u00fcber die Grenze. Am Ende der Lieferantenkette stehen dann die \u201eDealer\u201c im Iran, die einfach von Privatpersonen per Anruf erreicht werden k\u00f6nnen. \u00dcber ein ausgekl\u00fcgeltes Verteilungsnetzwerk k\u00f6nnten so, laut \u201eNYT\u201c, Millionen Menschen mit Alkohol versorgt werden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Bedarf an Selbsthilfegruppen steigt<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Parallel dazu entwickelten sich unz\u00e4hlige Selbsthilfegruppen im Untergrund, vergleichbar mit den \u201eAnonymen Alkoholikern\u201c. Zu Beginn wurden sie von der Regierung nur toleriert, doch vor zwei Jahren hatte das Gesundheitsministerium den Bedarf an Therapien f\u00fcr Alkoholkranke erstmals bewusst wahrgenommen. Seither er\u00f6ffneten unz\u00e4hlige Privatkliniken, aber auch kommunale Beratungsstellen f\u00fcr Betroffene. \u201eDutzende in Teheran alleine und Tausende im ganzen Land\u201c, berichtete Resa Kondschedi, Leiter einer Selbsthilfegruppe der Anonymen Alkoholiker im Interview mit der \u201eNYT\u201c.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Die Hilfe privater Initiativen sei enorm gefragt, da die Regierung sehe, wie effektiv ihre Arbeit ist. \u201eHeutzutage ist so viel Alkohol verf\u00fcgbar, dass es einfach nicht mehr funktioniert, jeden zu bestrafen\u201c, so Kondschedi, \u201eTrinken und Schmuggeln wurden vor Gericht gleich schwer gewertet, die Leute wurden ausgepeitscht. Mittlerweile sieht die Regierung Alkoholiker nicht mehr als Kriminelle, sondern als Patienten, die eine Behandlung brauchen.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Widerspruch der Beh\u00f6rden<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Au\u00dferdem pr\u00e4sentierte die Regierung sogar \u00f6ffentliche Kampagnen, in denen die Iraner gewarnt werden, betrunken Auto zu fahren &#8211; vor ein paar Jahren schien das noch undenkbar. Wie in der \u201eNYT\u201c berichtet, wurden neben den Stra\u00dfen in Richtung beliebter Urlaubsziele am Kaspischen Meer Plakatw\u00e4nde aufgestellt, die Whiskeyflaschen im Zusammenhang mit Autounf\u00e4llen abbilden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Im Widerspruch dazu organisiert die iranische Polizei regelm\u00e4\u00dfig Medienveranstaltungen als Abschreckungsman\u00f6ver: Dabei werden zum Beispiel Bulldozer gezeigt, die Tausende Flaschen und Dosen plattwalzen, zur Warnung vor harten Strafen bei Alkoholkonsum.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Still befohlen und von Lokalbeh\u00f6rden ausgef\u00fchrt<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Pr\u00e4sident Hassan Rouhani, der 2013 ins Amt kam und dieses Jahr wiedergew\u00e4hlt wurde, ist f\u00fcr seinen moderateren F\u00fchrungsstil bekannt. Doch auch wenn die Ma\u00dfnahme, mehr Suchtkliniken zu etablieren, vom Gesundheitsministerium kam, ist es trotzdem kein Leichtes, sich den strengen Regeln des Islam zu widersetzen. Laut \u201eNYT\u201c zeigt diese Entscheidung aber sehr gut, wie viele gesellschaftliche \u00c4nderungen im Iran geschehen: still von oben befohlen und von Lokalbeh\u00f6rden ausgef\u00fchrt.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Denn eine Bescheinigung f\u00fcr lokale Beh\u00f6rden, Therapiezentren f\u00fcr Alkoholkranke offiziell f\u00fchren zu d\u00fcrfen, gibt es nach wie vor nicht. Sogar f\u00fcr Drogens\u00fcchtige gebe es legale Hilfe, so Kondschedi. Schuld daran sei die Religion: Der Koran erw\u00e4hne das B\u00f6se im Wein, habe aber nichts zu Drogen zu sagen. \u201eIm Islam halten manche Alkohol f\u00fcr gef\u00e4hrlicher als Drogen\u201c, sagt Kondschedi, \u201eund das, obwohl die Gesellschaft Drogen viel schlimmer findet.\u201c<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Alkoholverbot seit 1979<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Ob das Tolerieren von Selbsthilfegruppen und medizinischen Einrichtungen das Verbot in naher Zukunft r\u00fcckg\u00e4ngig machen werden, ist fraglich. Das Trinken von Alkohol ist seit der Islamischen Revolution 1979 tabu und f\u00fcr strenggl\u00e4ubig Muslime per Gesetz untersagt. Trotzdem sterben Dutzende Iraner jedes Jahr an Alkoholvergiftungen durch den Konsum von minderwertig gebranntem Schnaps. Im Jahr 2013 waren es laut \u201eNYT\u201c 135.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif; font-size: 12pt;\">Ein strenges Alkoholverbot konnte sich in der gesamten islamischen Welt allerdings nie wirklich durchsetzen. Schon w\u00e4hrend der Zeit des Osmanischen Reichs wechselten sich Phasen strikter Prohibition mit pragmatischen Sichtweise ab. Nur in wenigen L\u00e4ndern ist das Verbot so streng, dass alkoholische Getr\u00e4nke ausschlie\u00dflich illegal erworben werden k\u00f6nnen. Hierzu z\u00e4hlen Saudi-Arabien, Kuwait, Mauretanien, der Sudan und der Iran.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p><span style=\"color: #888888;\">17 September, 2017<\/span><span style=\"color: #888888;\"><span style=\"font-size: 12.16px;\"><span>&#8211;<\/span>\u00a0<\/span>ORF &#8211;<\/span>\u00a0<span style=\"font-size: 12.16px;\">Wer im Iran Alkohol trinkt, muss mit schwerwiegenden Strafen rechnen. Da Alkoholkonsum in dem streng muslimischen Land verboten ist, drohen dem \u201eT\u00e4ter\u201c Geldbu\u00dfen oder Peitschenhiebe &#8211; als Wiederholungstat sogar die Todesstrafe. Trotzdem steigt die Zahl der Alkoholiker. Informelle Selbsthilfegruppen machen deshalb Druck auf die Regierung, das gesellschaftliche Problem in den Griff zu bekommen &#8211; und das scheint Wirkung zu zeigen. Vorsichtig \u00f6ffnet sich der Iran hin zu staatlichen Therapiezentren f\u00fcr Alkoholkranke.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[322],"tags":[296,297],"class_list":["post-268","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-news","tag-alkoholkranke","tag-iran-alkoholverbot"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/268","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=268"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/268\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":356,"href":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/268\/revisions\/356"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=268"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=268"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=268"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}