{"id":751,"date":"2019-12-03T17:25:01","date_gmt":"2019-12-03T16:25:01","guid":{"rendered":"http:\/\/iransos.com\/deutsch\/?p=751"},"modified":"2019-12-04T17:56:21","modified_gmt":"2019-12-04T16:56:21","slug":"iran-schiesst-proteste-zusammenso-blutig-war-es-noch-nie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/?p=751","title":{"rendered":"Iran schie\u00dft Proteste zusammen &#8211; So blutig war es noch nie"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 1290px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/images\/2011\/i\/ir-aufstand2019-13.png\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"853\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Diese Bank soll w\u00e4hrend der Proteste in Teheran abgebrannt sein. (Foto: VIA REUTERS)<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Proteste wie nie zuvor bringen den Iran an den Rand des Chaos. Das Regime feuert auf Demonstranten, Hunderte d\u00fcrften get\u00f6tet worden sein. Dank abgeschaltetem Internet dringen kaum Nachrichten nach au\u00dfen. Das Land steht an einem Wendepunkt.<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">DIENSTAG, 03. DEZEMBER 2019-NTV &#8211; <em>Von Volker Petersen &#8211; <\/em>Was gerade im Iran passiert ist, hat es in den vergangenen 40 Jahren noch nie gegeben. Hunderttausende Menschen gingen \u00fcberall im Land auf die Stra\u00dfen, protestierten, machten ihrer Emp\u00f6rung Luft. Das Regime reagierte mit blanker Gewalt, Einsatzkr\u00e4fte feuerten in die Menge, Scharfsch\u00fctzen legten gezielt auf Demonstranten an und selbst aus Hubschraubern soll auf die Menschen auf den Stra\u00dfen geschossen worden sein. <\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">&#8220;Das war ohne Zweifel die blutigste Niederschlagung von Protesten in der Geschichte der Islamischen Republik&#8221;, sagt der deutsch-iranische Politikwissenschaftler\u00a0<a style=\"color: #000000;\" href=\"https:\/\/www.fathollah-nejad.eu\/research\/iran-protests\/\">Ali Fathollah-Nejad<\/a>\u00a0n-tv.de. Er beobachtet die Lage f\u00fcr den US-Thinktank Brookings Institution von Doha in Katar aus. Doch nur wenige Nachrichten drangen aus dem Land &#8211; das Regime hatte das Internet abgeschaltet und damit den Informationsfluss erfolgreich behindert. Fragen und Antworten dazu:<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Wer ging auf die Stra\u00dfe?<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">&#8220;Es sind Proteste, wie es sie noch nie seit der Revolution 1979 gegeben hat&#8221;, sagt Fathollah-Nejad. &#8220;Selbst das Innenministerium spricht von 200.000 Demonstranten.&#8221; Die Mullahs d\u00fcrften die Zahl absichtlich niedrig angesetzt haben, dennoch habe sie Aussagekraft. &#8220;Bei den bis dahin ebenfalls nie dagewesenen Protesten vor einem Jahr hatte es noch gehei\u00dfen, es seien rund 40.000 Menschen auf die Stra\u00dfe gegangen. Man sieht daran, dass es eine immense Steigerung gegeben hat&#8221;, sagt er. Die Protestierenden seien vornehmlich aus der Unterschicht und der unteren Mittelschicht gekommen.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Wie brutal reagierte das Regime?<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International geht von mindestens 200 Toten aus. Das ist allerdings nur die Zahl der aus mehreren Quellen verifizierten Opfer. &#8220;Tats\u00e4chlich d\u00fcrfte es Hunderte Tote gegeben haben&#8221;, sagt Fathollah-Nejad. &#8220;Die meisten wurden wohl durch direkte Sch\u00fcsse ermordet.&#8221; Es gebe auch Berichte \u00fcber den Einsatz von Panzern und Sturmgewehren. Hinzu k\u00e4men mehr als 2000 Verletzte.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Warum sind die Menschen so aufgebracht?<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Ausl\u00f6ser der Proteste war am 15. November eine drastische Erh\u00f6hung des Benzinpreises. Doch es geht um mehr. Seit Jahren schwele eine Wirtschaftskrise, die Jugendarbeitslosigkeit sei &#8220;weltrekord\u00e4hnlich&#8221; und die Schere zwischen Arm und Reich \u00f6ffne sich immer weiter. So h\u00e4tten viele junge Menschen protestiert, aber auch jene, die die Krisenfolgen wie steigende Lebensmittelkosten sp\u00fcren. &#8220;Die Situation ist f\u00fcr viele Iraner einfach nicht mehr auszuhalten&#8221;, sagt Fathollah-Nejad. Jahrzehntelang habe das Regime versucht, mit dem Verweis auf die &#8220;b\u00f6sen Amerikaner&#8221; von eigenen Fehlern abzulenken. Doch das funktioniere schon lange nicht mehr. &#8220;Die Menschen machen die eigene Regierung f\u00fcr die Misere verantwortlich&#8221;, stellt Fathollah-Nejad klar.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Welche Rolle spielen die Sanktionen?<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Die Sanktionen der USA spielten ihm zufolge gar nicht so eine gro\u00dfe Rolle. &#8220;Deren Wirkung wird gerade in Europa h\u00e4ufig \u00fcbersch\u00e4tzt&#8221;, sagt der Experte. Die Sanktionen h\u00e4tten die bereits vorhandene Wirtschaftskrise nur versch\u00e4rft. Zwar h\u00e4tten sie die iranischen \u00d6leinnahmen einbrechen lassen. Das habe wahrscheinlich zu den Engp\u00e4ssen im iranischen Staatshaushalt gef\u00fchrt und d\u00fcrfte auch der Hintergrund f\u00fcr die drastische Benzinpreiserh\u00f6hung gewesen sein. &#8220;Die Wirtschaftskrise gab es aber schon vorher.&#8221; Die sei vor allem auf Korruption und Missmanagement zur\u00fcckzuf\u00fchren &#8211; und darauf, dass das Regime sich vor allem selbst bereichere und die breite Masse wenig davon mitbekomme.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Wackelt jetzt das Regime?<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Dass das Regime so brutal gegen die Proteste durchgriff, zeige, &#8220;wie panisch&#8221; es sei, so der Experte. Lange habe die Unterschicht als St\u00fctze des Regimes gegolten. &#8220;Damit ist es nun aber ein f\u00fcr alle Mal vorbei&#8221;, so Fathollah-Nejad. \u00dcberdies seien nun auch viele in der Mittelschicht \u00fcber die Gewalt emp\u00f6rt. &#8220;Es w\u00e4re der Anfang vom Ende des Regimes, wenn sich Unter- und Mittelschicht verbr\u00fcdern&#8221;, sagt er. Eine weitere Eskalation der Gewalt, auch ein B\u00fcrgerkrieg, sei nicht ausgeschlossen. &#8220;Je mehr das Regime mit Gewalt auf die Proteste reagiert, desto wahrscheinlicher wird es, dass sich die Protestierenden bewaffnen&#8221;. Wahrscheinlich sei aber zun\u00e4chst, dass durch die Proteste die Hardliner im Regime gest\u00e4rkt werden.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><strong>Was kann Europa tun?<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\">Fathollah-Nejad findet, dass Europa bislang zu wenig reagiert habe. Das habe das verheerende Signal an die Machthaber in Teheran gesendet, dass sie einfach so weitermachen k\u00f6nnten. Europa k\u00f6nne etwa den Handel einschr\u00e4nken, der im Wesentlichen mit dem Regime gef\u00fchrt werde. So k\u00f6nnten einzelne Wirtschaftsprojekte abgeblasen werden. Es gehe darum, zu zeigen, dass die blutige Niederschlagung der Proteste Konsequenzen hat. Bisher w\u00fcrden nur leere Formeln ausgesprochen. \u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #000000;\"><em>Quelle: n-tv.de<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Proteste wie nie zuvor bringen den Iran an den Rand des Chaos. Das Regime feuert auf Demonstranten, Hunderte d\u00fcrften get\u00f6tet worden sein. 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