{"id":772,"date":"2019-12-06T17:43:29","date_gmt":"2019-12-06T16:43:29","guid":{"rendered":"http:\/\/iransos.com\/deutsch\/?p=772"},"modified":"2019-12-06T17:43:37","modified_gmt":"2019-12-06T16:43:37","slug":"nach-toedlichen-protesten-im-iran-schweigen-waere-verrat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/?p=772","title":{"rendered":"Nach t\u00f6dlichen Protesten im Iran: &#8220;Schweigen w\u00e4re Verrat&#8221;"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 710px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/images\/2011\/i\/ir-aufstand-2019-25.png\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"394\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Trauerfeier f\u00fcr einen Mann, der von iranischen Sicherheitskr\u00e4ften im November erschossen worden sein soll<\/p><\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Bei den Massendemonstrationen im Iran wurden laut Amnesty International \u00fcber 200 Menschen get\u00f6tet. Die meisten Angeh\u00f6rigen bef\u00fcrchten Repressalien und schweigen, doch zwei sprachen mit der DW.<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">06.12.2019 \u2013 DW -Arsham Ibrahimi kam nicht zu Hause an. Am 16. November geriet der 21-J\u00e4hrige in einen Stau in der zentraliranischen Zwei-Millionen-Metropole Isfahan. Die Stra\u00dfen waren durch gro\u00dfe Protestaktionen blockiert. Die Demonstranten waren w\u00fctend, weil die Regierung die Benzinpreise \u00fcber Nacht drastisch erh\u00f6ht und Kraftstoff\u00a0rationalisiert hatte. Arsham stieg aus und wollte zu Fu\u00df laufen. Kurz sp\u00e4ter starb er auf der Stra\u00dfe.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><!--more-->Die traurige Nachricht erreichte die Familie vier Tage sp\u00e4ter, als der Leichnam an die Familie \u00fcbergeben wurde. &#8220;Arsham wurde durch einen Schuss in den R\u00fccken get\u00f6tet&#8221;, sagt sein Onkel Behzad Ibrahimi \u00fcber die Todesursache. Wer ihn erschossen hatte, h\u00e4tten ihm die Beh\u00f6rden nicht mitgeteilt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Eskalierende Gewalt<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mitte November waren im Iran mehrere Zehntausend\u00a0Menschen auf die Stra\u00dfe gegangen. Vielerorts schlugen die Proteste in Gewalt um. Dutzende Tankstellen, Polizeiwachen, Bankfilialen, Beh\u00f6rdengeb\u00e4ude und Moscheen wurden verw\u00fcstet oder in Brand gesteckt. Nach offiziellen Angaben wurden vier Angeh\u00f6rigen der Sicherheitskr\u00e4fte get\u00f6tet.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"aligncenter\" src=\"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/images\/2011\/i\/ir-aufstand-2019.png\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die F\u00fchrung in Teheran lie\u00df die\u00a0<a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/gastbeitrag-die-proteste-im-iran-sind-ein-dramatischer-wendepunkt\/a-51514008\">Proteste<\/a>\u00a0mit gro\u00dfer H\u00e4rte niederschlagen. Doch ist das genaue Ausma\u00df der Gewalt der Sicherheitskr\u00e4fte weiter unklar. Es gibt kaum unabh\u00e4ngige Medien im Land. Und die Regierung hatte das Internet kurz nach Beginn der Proteste praktisch komplett abgeschaltet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Menschenrechtsorganisation\u00a0<a href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/iran-wie-amnesty-informationen-bekommt\/a-51522766\">Amnesty International<\/a>\u00a0steht fest: Die Sicherheitskr\u00e4fte haben unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig Waffengewalt gegen die Demonstranten eingesetzt. Amnesty hat viele Videos analysiert, die seit Wiederherstellung der Internetverbindung an die \u00d6ffentlichkeit drangen. Sie zeigten, wie Sicherheitskr\u00e4fte aus kurzer Distanz auf Demonstranten schossen oder mit Schlagst\u00f6cken auf sie einpr\u00fcgelten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>&#8220;Wir sind komplett zerst\u00f6rt&#8221;<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" class=\"alignright\" src=\"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/images\/2011\/i\/ir-aufstand-2019-26.png\" \/>Gewaltopfer Arsham Ibrahimi stammte aus einer Veteranenfamilie. Sein Vater k\u00e4mpfte im irakisch-iranischen Krieg in den 1980er Jahren und sa\u00df acht Jahre lang in irakischer Gefangenschaft. Auch sein Onkel Behzad hatte gedient. &#8220;Als der Vater von Arsham im irakischen Gef\u00e4ngnis sa\u00df, war unsere Familie nicht kaputt. Wir konnten alles ertragen&#8221;, sagt Behzad, &#8220;aber jetzt nach dem Tod Arshams sind wir komplett zerst\u00f6rt.&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Karaj, etwa 50 Kilometer s\u00fcdwestlich von Teheran , kam Pouya Bakhtiari ums Leben. Am 16. November ging er mit seiner Mutter Nahid Shirbishe auf die Stra\u00dfe. Der 27-J\u00e4hrige war Ingenieur, interessiert an Kunst und Literatur, sprach flie\u00dfend Englisch &#8211; ein intelligenter Mann, wie ihn seine Mutter beschreibt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der Menschenmenge gingen Bakhtiari und seine Mutter auseinander. Sp\u00e4ter h\u00f6rte sie Sch\u00fcsse fallen. Einige Minuten sp\u00e4ter sah Nahid Shirbishe, wie ihr Sohn von anderen Demonstranten auf Schultern getragen wurde, blut\u00fcberstr\u00f6mt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8220;Sie haben ihm direkt in den Kopf geschossen&#8221;, sagt Shirbishe im DW-Interview. &#8220;Als Veganer hatte mein Sohn immer Respekt vor dem Leben. Wer hat ihnen das Recht gegeben, ihm das Leben zu nehmen? Wer hat ihnen die Erlaubnis gegeben, direkt auf seinen Kopf zu zielen? Und warum verdammt noch einmal schossen sie auf meinen Sohn?&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong>Beh\u00f6rden dementierten Todesopfer<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nahid Shirbishes\u00a0Fragen bleiben unbeantwortet. Die iranischen Beh\u00f6rden best\u00e4tigten nur rund 500 Festnahmen, darunter 180 &#8220;R\u00e4delsf\u00fchrer&#8221;. Den Bericht von Amnesty \u00fcber mindestens 208 Todesopfer wies die Justiz zur\u00fcck. &#8220;Die Zahlen der feindlichen Gruppen sind absolut gelogen&#8221;, so ein Justizsprecher.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele Beobachter bezeichnen die letzten Proteste im Iran als &#8220;Bewegung der Armen&#8221;, weil die meisten Demonstranten der untersten Schichten der Gesellschaft angeh\u00f6rten und deswegen von der Preisschwankung stark betroffen waren.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Doch Pouya Bakhtiari ging es wirtschaftlich gut. &#8220;Mein Sohn besa\u00df ein Auto, wohnte in einem Apartment mit 150 Quadratmetern. Ihm fehlte nichts. Er ging auf die Stra\u00dfe f\u00fcr Gerechtigkeit und Freiheit, nicht wegen Hunger und Not&#8221;, so sieht es seine Mutter.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8220;Als eine Mutter, die eine schreckliche unertr\u00e4gliche Trauer im Herzen hat, darf ich nicht einfach still bleiben und nichts sagen.&#8221; Schweigen w\u00e4re Verrat, so Nahid Shirbishe. &#8220;Verrat gegen das Blut, das auf den Stra\u00dfen vergossen wurde.&#8221;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei den Massendemonstrationen im Iran wurden laut Amnesty International \u00fcber 200 Menschen get\u00f6tet. 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