{"id":78,"date":"2013-11-18T21:19:52","date_gmt":"2013-11-18T20:19:52","guid":{"rendered":"http:\/\/iransos.com\/deutsch\/index.php\/2013\/11\/18\/wie-iran-ein-milliardenreich-aufbaut\/"},"modified":"2013-11-18T21:19:52","modified_gmt":"2013-11-18T20:19:52","slug":"wie-iran-ein-milliardenreich-aufbaut","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/?p=78","title":{"rendered":"Wie Iran ein Milliardenreich aufbaut"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" class=\"caption\" src=\"images\/2011\/i\/ir-rial.JPG\" border=\"0\" alt=\"\" title=\"Das iranische Firmenimperium Setad verf\u00fcgt \u00fcber ein Verm\u00f6gen von knapp 100 Milliarden Dollar. Bild: Bloomberg\" align=\"right\" \/>17.11.2013\u00a0 &#8211; Cash &#8211; Im Namen des geistlichen Oberhaupts Ajatollah Ali Chamenei wird systematisch das Eigentum iranischer B\u00fcrger beschlagnahmt. Betroffen sind vor allem religi\u00f6se Minderheiten, Gesch\u00e4ftsleute oder Exil-Iraner.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einst geh\u00f6rte der Familie von Pari Vahdat-e-Hagh ein mehrst\u00f6ckiges Wohnhaus in Teheran. Dort lebte sie mit ihren Kindern. Bis eines Tages Vertreter einer Organisation namens Setad an der T\u00fcr standen und Anspruch auf das Haus erhoben. Aller Widerstand war zwecklos. Heute lebt die 82-J\u00e4hrige Iranerin alleine in einer kleinen Drei-Zimmer-Wohnung in Europa. Die Dokumente, mit denen die Beh\u00f6rden einen Schlussstrich unter ihr Leben in Teheran zogen, hebt sie in einem Koffer in der N\u00e4he ihres Betts auf.<br \/>Hinter Setad verbirgt sich &#8211; das ergab eine sechsmonatige Recherche der Nachrichtenagentur Reuters &#8211; ein Firmenimperium, das \u00fcber ein Verm\u00f6gen von knapp 100 Milliarden Dollar verf\u00fcgt und von Irans geistlichem Oberhaupt Ajatollah Ali Chamenei kontrolliert wird. Setad hat sich in den vergangenen sechs Jahren zu einer der m\u00e4chtigsten Organisationen im Iran entwickelt. Sie mischt in fast allen Bereichen der Wirtschaft mit: von der \u00d6lindustrie \u00fcber Banken bis hin zu Straussenfarmen. Das Imperium fusst nicht zuletzt auf der systematischen Beschlagnahmung des Eigentums iranischer B\u00fcrger &#8211; seien es religi\u00f6se Minderheiten, Gesch\u00e4ftsleute oder Exil-Iraner.<br \/>Im Namen Chameneis<br \/>Setad ist zu einem massgeblichen Pfeiler in Chameneis Machtgef\u00fcge geworden. Die Organisation versorgt ihn mit den finanziellen Mitteln, die es ihm erlauben, unabh\u00e4ngig vom Parlament und dem Staatshaushalt zu operieren, wobei es keine Hinweise gibt, dass er sich pers\u00f6nlich bereichert hat. Im Zentrum des Milliardenreichs steht das riesige Immobilien-Portfolio. 2008 sagte der Leiter dieser Sparte w\u00e4hrend einer Festveranstaltung, dass allein dieses Gesch\u00e4ft etwa 52 Milliarden Dollar wert sei.<br \/>Die Organisation hat ein Monopol zur Beschlagnahmung im Namen des obersten Anf\u00fchrers. Vor Gericht gibt sie \u00fcblicherweise an, die Geb\u00e4ude seien verlassen gewesen. Um Enteignung geht es dabei nach Darstellung der Organisation nicht. Wenn eine Immobilie leer stehe oder ein Grundst\u00fcck aufgegeben worden sei, dann m\u00fcssten diese verwaltet werden, wurde der Leiter der Setad-Investmentsparte Ali Aschraf Afchami im April von einer Zeitung zitiert. Sobald ein Gericht festhalte, dass es keinen Eigent\u00fcmer gebe, gehe die Immobilie in Setads Besitz \u00fcber.<br \/>Iraner, die nach eigenen Angaben enteignet wurden, und Anw\u00e4lte weisen diese Darstellung Setads zur\u00fcck. Sie schilderten Reuters vielmehr von anderen Methoden. Demnach soll Setad unter falschen Angaben richterliche Erlasse zur Beschlagnahmung eingeholt werden. Anschliessend w\u00fcrden die eigentlichen Eigent\u00fcmer unter Druck gesetzt, dass sie die Immobilien nur gegen eine hohe Geb\u00fchr zur\u00fcckbek\u00e4men.<br \/>F\u00fcr den iranischen Anwalt Ross K. Reghabi, der von Kalifornien aus mehrere Setad-F\u00e4lle begleitet, steht fest: Wer am Ende nicht mit leeren H\u00e4nden dastehen wolle, m\u00fcsse &#8220;die richtige Person&#8221; finden und Geld fliessen lassen. Entscheidend sei, was hinter den Kulissen passiere. Am Ende k\u00f6nnten sich solche Zahlungen auf 50 Prozent des Immobilienwerts belaufen.<br \/>\u00abWas kann ich tun, wo soll ich hin?\u00bb<br \/>Erfahrungen dieser Art musste auch ein schiitischer Gesch\u00e4ftsmann machen, der im Ausland lebt und anonym bleiben will. Vor zwei Jahren habe er versucht, ein St\u00fcck Land im Besitz seiner Familie in der N\u00e4he Teherans zu verkaufen. Die lokalen Beh\u00f6rden h\u00e4tten ihm gesagt, er ben\u00f6tige zun\u00e4chst einen Brief, der belege, dass Setad keine Einw\u00e4nde habe.<br \/>Bei Setad habe er dann zun\u00e4chst einmal einen Sekret\u00e4r mit mehreren Hundert Dollar bestechen m\u00fcssen, um seine Akte ausfindig zu machen. Dann sei ihm gesagt worden, er m\u00fcsse eine Geb\u00fchr zahlen, da Setad \u00fcber Jahrzehnte hinweg Landbesetzer von dem Grundst\u00fcck ferngehalten habe. Diese sei auf 50.000 Dollar festgesetzt worden, ein Gutachter ermittelte einen Grundst\u00fcckswert von 90.000 Dollar.<br \/>Andere Iraner erz\u00e4hlten in Interviews, ihnen sei Gewalt angedroht worden, sollten sie ihre Grundst\u00fccke nicht sofort r\u00e4umen. So soll sich eine \u00e4ltere Frau vollkommen verzweifelt auf ihren Teppich gesetzt haben, als die M\u00f6bel aus ihrer Wohnung getragen wurden. Sie habe sich geweigert aufzustehen und gerufen, &#8220;Was kann ich tun, wo soll ich hin?&#8221; Daraufhin sei sie kurzerhand zusammen mit dem Teppich rausgetragen worden.<br \/>Religi\u00f6se Minderheiten werden diskriminiert<br \/>Auff\u00e4llig ist, dass einige der Immobilien im Setad-Portfolio einst Angeh\u00f6rigen religi\u00f6ser Minderheiten geh\u00f6rten, darunter Anh\u00e4nger des Bahaitum. Bahais werden im Iran diskriminiert. Auch Vahdat-e-Hagh geh\u00f6rt der Minderheit an.<br \/>Ihre Schicksalsreise fing 1981 an, erz\u00e4hlt sie. Damals nahm ihr Mann eine Stelle bei einer Firma an, die arbeitslose Bahais unterst\u00fctzte. Im September desselben Jahres kam er ins Gef\u00e4ngnis, im Februar 1982 wurde er hingerichtet. Aus Protest schrieb sie Briefe an hochrangige Regierungsvertreter, darunter Chamenei, der damals Pr\u00e4sident war. 1985 wurde sie f\u00fcr drei Monate eingesperrt. Vahdat-e-Hagh setzte ihren Protest fort. Ein Gericht ordnete daraufhin die Beschlagnahmung von Wohnungen ihrer Familie in einem wohlhabenden Viertel im Norden Teherans an.<br \/>Vahdat-e-Haghs Kinder befanden sich zu diesem Zeitpunkt im Ausland. Das Gericht warf ihnen vor, dort das Bahaitum zu verbreiten. Zwei Stiftungen versuchten anschliessend Vahdat-e-Hagh dazu zu bringen, ihnen die Immobilien zu \u00fcbertragen. Sie lehnte ab. Die Stiftungen zogen sich zur\u00fcck.<br \/>Mit Schl\u00e4gen gedroht<br \/>Doch dann, im November 1991, schaltete sich Setad ein. Ein weiteres Gericht ordnete die Beschlagnahmung von Grundst\u00fccken der Familie in Teheran und der s\u00fcdiranischen Stadt Schiras an. Setad-Vertreter kamen in Vahdat-e-Haghs Wohnung und drohten ihr mit Schl\u00e4gen, sollte sie nicht ausziehen. &#8220;Ich sagte ihnen: &#8216;Ihr k\u00f6nnt kommen und mich t\u00f6ten&#8217;.&#8221;<br \/>Zwei Monate sp\u00e4ter beantragte Setad die L\u00f6schung der Namen von Vahdat-e-Haghs Kindern aus den Wohnungsbesitzurkunden. Schliesslich verkaufte Setad die vier Wohnungen ihrer Kinder und ihres verstorbenen Mannes. Im Herbst 1993 verliess Vahdat-e-Hagh stillschweigend den Iran, ihre Wohnung vermietete sie. Im November 1999 bot Setad Vahdat-e-Hagh erst an, ihre eigene Wohnung zu kaufen. Als sie das ablehnte, verlangte die Gruppe Miete, was Vahdat-e-Hagh ebenfalls zur\u00fcckwies. Schliesslich verkaufte Setad auch diese Wohnung an jemand anderen.<br \/>Heute scheint das Geb\u00e4ude weitgehend leer zu stehen. Gesch\u00e4ftsleute aus der Nachbarschaft sagen, es sei nicht klar, wer der Besitzer sei, wom\u00f6glich stehe das Geb\u00e4ude unter Kontrolle einer islamischen Organisation. Im Dachgeschoss, wo Vahdat-e-Hagh einst lebte, sind die meisten Scheiben kaputt.<br \/>(Reuters)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><img decoding=\"async\" class=\"caption\" src=\"images\/2011\/i\/ir-rial.JPG\" border=\"0\" alt=\"\" title=\"Das iranische Firmenimperium Setad verf\u00fcgt \u00fcber ein Verm\u00f6gen von knapp 100 Milliarden Dollar. Bild: Bloomberg\" align=\"right\" \/>17.11.2013\u00a0 &#8211; Cash &#8211; Im Namen des geistlichen Oberhaupts Ajatollah Ali Chamenei wird systematisch das Eigentum iranischer B\u00fcrger beschlagnahmt. 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