{"id":883,"date":"2021-01-22T13:42:33","date_gmt":"2021-01-22T12:42:33","guid":{"rendered":"http:\/\/iransos.com\/deutsch\/?p=883"},"modified":"2021-01-22T13:42:37","modified_gmt":"2021-01-22T12:42:37","slug":"agent-im-auftrag-des-iran","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/?p=883","title":{"rendered":"Agent im Auftrag des Iran?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\"><strong><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium aligncenter\" src=\"https:\/\/iransos.com\/deutsch\/images\/2011\/i\/ir-fa.jpg\" width=\"980\" height=\"276\" \/>Sind deutsche Ermittler einem iranischen Agentenf\u00fchrer auf der Spur? Verd\u00e4chtig sind die Reisen des Diplomaten. In Belgien steht er bereits wegen mutma\u00dflicher Anschlagspl\u00e4ne auf Oppositionelle vor Gericht.\u00a0<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\"><!--more--><em>21.01.2021 &#8211; Von Florian Flade, WDR- <\/em>Tagesschau.de &#8211; Wenn es nach ihm ginge, d\u00fcrfte Assadollah A. eigentlich gar nicht vor Gericht stehen. Der Iraner sei \u00fcberzeugt davon, dass er diplomatische Immunit\u00e4t genie\u00dfe, wie sein Anwalt j\u00fcngst erkl\u00e4rte. Er habe einen Diplomatenstatus, soll A. den Ermittlern erl\u00e4utert haben. Immerhin war er Dritter Botschaftsrat an der Botschaft der Islamischen Republik Iran in Wien.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Die Staatsanwaltschaft in Belgien aber sieht dies anders. Sie h\u00e4lt ihn f\u00fcr einen Offizier des iranischen Geheimdienstes MOIS, der nur zur Tarnung als Diplomat in Europa war, um ein Attentat im Auftrag des Teheraner Regimes zu ver\u00fcben. Assadollah A. bestreitet alle Vorw\u00fcrfe.<\/span><\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Zugriff auf Rastst\u00e4tte in Bayern<\/span><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Der Diplomat muss sich inzwischen im belgischen Antwerpen vor Gericht verantworten. Er soll im Sommer 2018 einen Bombenanschlag auf die Jahreskonferenz des &#8220;Nationalen Widerstandsrates Iran&#8221;, einer Exil-Oppositionsgruppe, in der franz\u00f6sischen Staat Villepinte geplant haben. Bei einem konspirativen Treffen in Luxemburg soll er zu diesem Zweck einem belgischen Paar eine Bombe samt Fernsteuerung \u00fcbergeben haben.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Der mutma\u00dfliche Plan flog auf, weil ein ausl\u00e4ndischer Geheimdienst einen Tipp gab. Erst wurde das P\u00e4rchen in Belgien verhaftet, am n\u00e4chsten Tag dann fassten deutsche Polizisten den mutma\u00dflichen Drahtzieher Assadollah A. auf einer Autobahnrastst\u00e4tte in Bayern.<\/span><\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Geheimnisvolle Notizen<\/span><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Bei der Festnahme des Diplomaten am 1. Juli 2018 stellte die Polizei zahlreiche Beweismittel sicher. In dem Mietwagen, einem Ford Max-S, in dem Assadollah A. und seine beiden S\u00f6hne unterwegs waren, wurde ein schwarzes Notizbuch gefunden. Darin befanden sich ziemlich kryptische Eintr\u00e4ge, offenbar Codew\u00f6rter, bei denen es sich um Anweisungen f\u00fcr die Bombenleger handeln soll.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Noch etwas wurde gefunden: Ein zweiter, gr\u00fcner Notizblock, 200 Seiten dick, kariert &#8211; und Quittungen, die nahelegen, dass Assadollah A. offenbar Bargeld verteilt hatte.\u00a0F\u00fcr diese Unterlagen interessieren sich auch weiterhin deutsche Sicherheitsbeh\u00f6rden. Denn sie geben Hinweise darauf, dass der angebliche Diplomat auff\u00e4llig viel durch Europa reiste.<\/span><\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Eine Reise durch elf L\u00e4nder<\/span><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">BKA-Ermittler gehen daher im Auftrag des Generalbundesanwalts noch immer der Frage nach, ob Assadollah A. m\u00f6glicherweise ein Agentenf\u00fchrer war, der einen Spionagering aus Spitzeln und Informanten in mehreren L\u00e4ndern unterhielt &#8211; vielleicht sogar mit Helfern hierzulande.\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Insgesamt 289 Eintr\u00e4ge finden sich in dem gr\u00fcnen Notizbuch, handschriftlich verfasst in lateinischer Schrift und in Farsi. Es handelt sich um Adressen von Sehensw\u00fcrdigkeiten, von L\u00e4den, Hotels und Restaurants. Auch Uhrzeiten und Daten sind vermerkt. Die Ermittler konnten die Angaben elf L\u00e4ndern zuordnen, darunter Frankreich, \u00d6sterreich, Tschechien, Ungarn, Belgien, die Niederlande und Italien. Die meisten Eintr\u00e4ge aber, rund 144 Notizen, beziehen sich auf Deutschland.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">So findet sich etwa der Eintrag &#8220;sch\u00f6ne Aussicht 36 D 22085 Hamburg&#8221; in dem Notizblock. Es ist die Adresse des Islamischen Zentrums Hamburg (IHZ), eines schiitischen Moschee-Vereins, der von Verfassungssch\u00fctzern beobachtet wird. Das Zentrum &#8220;strebe den Export der islamischen Revolution&#8221; an, hei\u00dft es im Hamburger Verfassungsschutzbericht. Weitere Eintr\u00e4ge f\u00fchren nach K\u00f6ln, Bonn, Heidelberg, Regensburg, Cochem, Bergisch-Gladbach und M\u00fcnchen. Teilweise sind touristische Ziele darunter wie Schl\u00f6sser, T\u00fcrme oder Seilbahnen. Ebenfalls aufgelistet sind Hotels, Caf\u00e9s und Einkaufszentren.<\/span><\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">A. will nur Urlauber sein<\/span><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Er habe Urlaub gemacht, sch\u00f6ne Orte besichtigt, soll Assadollah A. kurz nach seiner Festnahme gesagt haben. Tats\u00e4chlich konnte das BKA einige Angaben anhand von GPS-Daten, Tankquittungen und Hotelbuchungen \u00fcberpr\u00fcfen. Die Ermittler fanden heraus, dass A. stets in bar bezahlte und teilweise mehr als 11.000 Euro bei sich hatte. Auf einigen Ausfl\u00fcgen wurde er von seinen S\u00f6hnen begleitet, so etwa beim Besuch des K\u00f6lner Zoos, nur einen Tag vor der Festnahme Assadollah A.s in Bayern.\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Viele Eintr\u00e4ge im gr\u00fcnen Notizbuch, so hatten BKA-Ermittler anfangs vermerkt, h\u00e4tten keinen direkten Bezug zum Tatvorwurf des geplanten Bombenanschlags in Frankreich. Doch mittlerweile wird auch der Frage nachgegangen, warum Assadollah A. so h\u00e4ufig nach Deutschland reiste &#8211; und ob er hier angeworbene Agenten getroffen haben k\u00f6nnte. Auch das belgischen Paar, das mutma\u00dflich den Anschlag auf die Exil-Oppositionellen ver\u00fcben sollte, hatte er immer wieder in unterschiedlichen L\u00e4ndern getroffen.<\/span><\/p>\n<h2 style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Buchhaltung eines Agentenf\u00fchrers?<\/span><\/h2>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Noch etwas wirkt auff\u00e4llig: Bei seiner Festnahme wurden mehrere Quittungen sichergestellt, teilweise waren sie bereits ausgef\u00fcllt. Sie deuten auf Bargeldauszahlungen hin.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">Die Empf\u00e4nger unterzeichneten mit sehr gel\u00e4ufigen iranischen Namen und konnten bislang nicht identifiziert werden. Einer soll 2500 Euro, ein anderer 5000 Euro erhalten haben. Eine weitere Person quittierte den Erhalt eines Laptops. Es k\u00f6nnte sich, so die Vermutung der Ermittler, um Agentenlohn handeln, ausgezahlt an angeworbene Spitzel. Das belgische Paar soll im Laufe der Jahre f\u00fcr seine T\u00e4tigkeit f\u00fcr den iranischen Geheimdienst mehrere Hunderttausend Euro bekommen haben.<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><span style=\"font-family: tahoma, arial, helvetica, sans-serif;\">W\u00e4hrend die Sicherheitsbeh\u00f6rden noch immer dabei sind, die vielen Reisen von Assadollah A. zu \u00fcberpr\u00fcfen und aufzukl\u00e4ren, ob er einen iranischen Spionagering in Europa f\u00fchrte, hat die Staatsanwaltschaft in Belgien inzwischen ihr Pl\u00e4doyer abgegeben. Die Ankl\u00e4ger fordern 20 Jahre Gef\u00e4ngnis f\u00fcr den Iraner. Der Urteil wird f\u00fcr den 4. Februar erwartet.\u00a0<\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sind deutsche Ermittler einem iranischen Agentenf\u00fchrer auf der Spur? 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