Entspannt zuhause statt tanzend im Schah-Palast

28.04.2014 – tfi – Anlässlich des nationalen Frauentags im Iran ist eine Debatte um die Rolle der Frau in der Islamischen Republik entbrannt. Dabei ernten die Vertreter der konservativen Positionen erstmals offenen Widerspruch auch von führenden Politikern – allen voran von Präsident Rouhani. Frauenrechtlerinnen fordern derweil konkrete Maßnahmen.

Anlässlich des nationalen Frauentags im Iran ist eine Debatte um die Rolle der Frau in der Islamischen Republik entbrannt. Dabei ernten die Vertreter der konservativen Positionen erstmals offenen Widerspruch auch von führenden Politikern – allen voran von Präsident Rouhani. Frauenrechtlerinnen fordern derweil konkrete Maßnahmen.

„Männer und Frauen sind gleichwertig“

„Wer gegen den gesellschaftlichen Fortschritt der Frau ist, sollte die Gründe dafür nicht in den Vorschriften des Islam suchen“, sagte der moderate Geistliche Rouhani, ohne sich dabei direkt auf die Rede Khameneis zu beziehen. Nach den Regeln des Islam seien Männer und Frauen gleichwertig, kein Geschlecht sei dem anderen überlegen. Jedoch gebe es noch viele Defizite bei der Umsetzung der Frauenrechte. Die weibliche Hälfte der Gesellschaft dürfe aber nicht an deren Rand gedrängt werden, so Rouhani.
Deutliche Worte fand auch Ex-Präsident Ali Akbar Hashemi Rafsanjani, der als Verbündeter Rouhanis gilt: „Es ist weder mit der Logik noch mit den gesellschaftlichen Realitäten vereinbar, von Frauen zu erwarten, dass diese sich ausschließlich zuhause um die Kinder kümmern sollen. Wenn wir das Familienmanagement den Frauen und alle anderen Aufgaben den Männern überlassen, schaden wir sowohl unseren Frauen als auch den Männern“, schreibt Rafsanjani auf seiner offiziellen Internetpräsenz.
Forderung nach konkreten Maßnahmen
Khameneis Rede am iranischen Frauentag — Foto: khamenei.irAuf einer von iranischen Frauenrechtsgruppen organisierten Veranstaltung anlässlich des iranischen Frauentages, der jährlich zu Ehren des Geburtstags von Fatima az-Zahra, der Tochter des Propheten Mohammad, begangen wird, forderten Frauenrechtsaktivistinnen Präsident Rouhani auf, seinen Worten Taten folgen zu lassen. „Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern darf keine Parole bleiben. 63 Prozent unserer Universitätsabsolventinnen finden nach dem Studium keinen Job, weil sie als Frau auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden. Das muss die Politik ändern“, so die Frauenaktivistin Zahra Akhavannassab.
Ähnlich äußerte sich die Universitätsdozentin Shamsolsadat Zahedi: Derzeit werde der Fortschritt der Frauen dadurch aufgehalten, dass die männlich dominierte iranische Gesellschaft diese nicht ernst genug nehme. „Die Fähigkeiten von Frauen werden leichtsinnig übersehen“, so Zahedi. Zu den Teilnehmerinnen der Veranstaltung gehörte neben einigen Ex-Parlamentarierinnen auch die Präsidentengattin Sahebeh Arabi-Rouhani, die die Reden der Frauenrechtlerinnen mit Applaus bedachte.

Kritik an Präsidentengattin

Doch diese offene Positionierung Arabi-Rouhanis ist vielen Konservativen offenbar ein Dorn im Auge: In den vergangenen Tagen ist die 60-Jährige ins Kreuzfeuer der Kritik sowohl einiger Parlamentarier als auch der konservativen Presse geraten. Anlass der Anfeindungen ist eine Frauentagsfeier, zu der die Präsidentengattin Botschafterfrauen in einen ehemaligen Palast des gestürzten Schahs geladen hatte. „Wenn die Präsidentengattin Partys feiern will, dann soll sie das bei sich zu Hause machen und in Zeiten der ökonomischen Not nicht so viel Geld für eine Feier im Schah-Palast verschwenden“, beschwerte sich der Abgeordnete Ruholloah Hosseinian. Arabi-Rouhanis Feier sei zu einer „durch und durch dekadenten Modeshow und Tanzveranstaltung“ ausgeartet, kritisierte auch die der Revolutionsgarde gehörende Nachrichtenagentur Fars News.
Die Regierung wies die Kritik an der Ehefrau des Präsidenten in einer offiziellen Stellungnahme zurück: Es könne weder von einer kostspieligen noch von einer dekadenten Feier die Rede sein. „Die einzigen, die auf der Feier getanzt haben, waren kleine Mädchen im Kindergartenalter“, heißt es in dem Regierungsstatement.
Nahid Fallahi / Jashar Erfanian

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