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Die Iranische Friedensnobelpreis-Trägerin im Interview

Shirin Ebadi

Mittwoch, 10. Juni 2015, SRF – Auf ihrer Reportage im Iran will die «Rundschau» eine Menschenrechtsaktivistin treffen. Doch diese wird kurz vor dem Treffen vom Geheimdienst verhaftet. Dafür kann SRF Friedensnobelpreis-Trägerin Shirin Ebadi in deren Exil in London treffen. Hier das exklusive Interview.

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Ehrung für fünfzig Jahre Menschenrechtsverteidigung

Der Vorsitzende der Internationalen Menschenrechtsföderation, Abdolkarim Lahidji, wurde in Hannover für sein fünfzigjähriges Engagement für die Menschenrechte gewürdigt. Hannovers Bürgermeister Bernd Strauch und die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi nahmen an der Veranstaltung teil.

„Ein Menschenrechtsaktivist und Rechtsanwalt, der niemals aus politischer Rücksichtnahme auf die Verteidigung der Menschenrechte verzichtete.“ So beschrieben Kollegen und Freunde Abdolkarim Lahidji am vergangenen Samstag. Da erhielt der heute in Frankreich lebende iranische Menschenrechtler eine Auszeichnung unter anderem in Form einer Gedenktafel für sein fünfzigjähriges Engagement für die Menschenrechte.

Die Ehrung fand auf Initiative der „Vereinigung zur Verteidigung der Menschenrechte“ (VVM) statt.
Er habe seit seiner Kindheit eine Vorstellung von der Bedeutung der Menschenrechte entwickelt, erzählte dabei der mittlerweile 73-jährige Lahidji: „Ich war etwa 12 Jahre alt, als ich ein Bild des damaligen iranischen Premierministers Mohammad Mossadegh in einer Zeitschrift sah.

Er trug einen langen Mantel und zwei Offiziere saßen neben ihm. Unter dem Bild stand zur Erklärung: Mossadegh und seine Anwälte“, so Lahidji. Auch der Richter und seine Assistenten seien Militäroffiziere gewesen. Mossadegh, in den fünfziger Jahren der erste demokratisch gewählte Premierminister des Iran, hatte die von den Briten dominierte Ölindustrie des Landes verstaatlicht.

Er wurde durch einen Militärputsch namens „Operation Ajax“ von CIA und britischer „Intelligent Service“ aus dem Amt gedrängt und vor Gericht gestellt.

Erste Fragen

„Die erste Frage für mich war damals, warum der zivile Premierminister in Gegenwart von Offizieren vor einem Militärgericht steht. Diese Szene hat mich so beeindruckt, dass ich mich entschloss, Jura zu studieren und Rechtsanwalt zu werden“, so Lahidji.
Das war Grundstein für seine Menschenrechtsarbeit.

 

Später verbrachte der Anwalt dafür 10 seiner Lebensjahre im Gefängnis: Schon vor der Islamischen Revolution 1979 wurde er mehrfach festgenommen und durfte einige Jahre lang das Land nicht verlassen.

 

Bereits 1971 begann er, mit internationalen Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International zusammenzuarbeiten. Derzeit engagiert er sich für die Abschaffung der Todesstrafe.
Vorbild für die Jüngeren

Der 1. Bürgermeister von Hannover, Bernd Strauch, nannte in seiner Rede Aktivisten wie Lahidji und die ebenfalls anwesende Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi „Vorbilder für die junge Generation“.

Ebadi würdigte in ihrer Ansprache die besonderen Stärken ihres Kollegen Lahidji. Er habe die Kultur der Menschenrechtsachtung verinnerlicht, so Ebadi: „Der Preis für die Verteidigung der Menschenrechte ist in nicht-demokratischen Ländern sehr hoch. Wer sich den damit verbundenen Herausforderungen nicht stellen kann, sollte sich nicht auf diesen Weg begeben.“

 

Lahidji sei einer der Menschen, die bereit seien, „den höchsten Preis für die Menschenrechtsverteidigung zu zahlen“, so die Nobelpreisträgerin.

Kein Revolutionär

„Die Aufgabe der Menschenrechtsaktivisten ist nicht, Regime zu stürzen, sondern einen rechtlichen Wandel in Gang zu bringen. Das ist, was ich unter jeder Regierung versuchen werde“, sagte Lahidji in seiner Rede.
An der Veranstaltung nahmen auch Vertreter der Bahá„í-Gemeinde in Deutschland und der Demokratischen Partei von Kurdistan teil. Auch Botschaften von zwei weiteren iranischen Anwälten und Menschenrechtsverteidigern im Iran, Nasrin Sotoudeh und Mohammad Oliaeifard, wurden verlesen.

 

Lahidji hat drei Bücher und viele Artikel über die Menschenrechtsfrage im Iran verfasst. 1990 wurde er für seinen Einsatz auch von der Organisation Human Rights Watch ausgezeichnet.

Mitra Shodjaee
Übertragen aus dem Persischen: Pouya Rastin
Quelle: Deutsche Welle

Nobelpreisträgerin beklagt Menschenrechtsverletzungen im Iran

Dienstag, 5. November 2013, Reuter Deutschland, New York (Reuters) – Die Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi beklagt zunehmende Menschenrechtsverletzungen im Iran und fordert einen verstärkten Einsatz der internationalen Gemeinschaft. „Leider beschäftigt sich die Welt vor allem mit der Atomkraft und weniger mit Menschenrechten, und achtet daher nicht auf deren Missachtung“, sagte Ebadi am Montag der Nachrichtenagentur Reuters In New York.

„Und deswegen verschlechtert sich die Lage der Menschenrechte im Iran.“ Der neue Präsident Hassan Ruhani sei mit dem Versprechen angetreten, die Lage zu verbessern. „Leider ist das nicht passiert.“
Ebadi nannte Zahlen des Dachverbands internationaler Menschenrechtsorganisationen FIDH, wonach zwischen Mitte Juni und Oktober mehr als 200 Menschen hingerichtet worden seien, darunter wohl auch vier Minderjährige. Das seien doppelt so viele wie vor einem Jahr, als noch der für seine harte Linie bekannte Mahmud Ahmadinedschad Präsident war. Die Anwältin Ebadi, die 2003 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde und im britischen Exil lebt, forderte die Europäische Union auf, bei einer Lösung des Atomstreits die Beziehungen zum Iran nicht vorschnell zu normalisieren, bevor sich die Lage der Menschenrechte verbessere.
Zugleich sprach sie sich für ein Ende der Wirtschaftssanktionen gegen das Land und stattdessen für gezielte Strafmaßnahmen gegen die Regierung aus. Die Sanktionen belasteten die Menschen in der Islamischen Republik sehr, verteuerten Lebensmittel, einige Medikamente seien nicht mehr erhältlich. Sie sollten daher etwa gegen Reiseverbote für Regierungsmitglieder ersetzt werden. Auch sollten iranische Radio- und TV-Programme nicht mehr über Satelliten im Westen verbreitet werden. „Auf diese Weise können wir die Propaganda-Mikrofone der Regierung ausschalten.“
Ein Sprecher der iranischen Mission bei den Vereinten Nationen verwies darauf, dass seit dem Amtsantritt Ruhanis alle Regierungsbeschwerden Journalisten gegenüber fallengelassen worden seien, 86 politische Häftlinge seien freigekommen. Daneben habe Ruhani eine Menschenrechtscharta für den Iran in Auftrag gegeben. Der als gemäßigt geltende Ruhani hatte sich bei der Wahl im Juni gegen seine konservativen Konkurrenten durchgesetzt und steht seit August an der Spitze der Regierung.
– von Louis Charbonneau